Schweiz

Krankenkasse in der Schweiz verstehen

Kurz beantwortet: Die Grundversicherung ist gesetzlich in allen Kassen leistungsidentisch – nur die Prämie unterscheidet sich, je nach Kanton um mehrere hundert bis über CHF 2'000 im Jahr. Wer die Kasse wechselt, verliert also nichts ausser der Prämiendifferenz.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Januar 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Grundversicherung & Prämie

Die Grundversicherung (KVG) ist obligatorisch und überall gleich in den Leistungen – nur die Prämie unterscheidet sich je Kasse und Region. Ein jährlicher Vergleich lohnt sich fast immer.

Franchise & Selbstbehalt

Die Franchise (CHF 300–2'500) ist der Betrag, den du jährlich selbst trägst, bevor die Kasse zahlt. Welche sich lohnt, zeigt der Franchise-Rechner.

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Die vier Stellschrauben

Sie wirken unabhängig voneinander und lassen sich kombinieren:

  • Die Kasse selbst – bei identischen Leistungen der grösste Hebel.
  • Das Modell: Hausarzt, HMO oder Telemedizin statt freier Arztwahl.
  • Die Franchise, passend zum tatsächlichen Gesundheitsprofil.
  • Die Prämienverbilligung, deren Anspruch häufiger besteht als angenommen.

Die Modelle im Vergleich

Beim Hausarztmodell gehst du zuerst zum festgelegten Arzt, bei HMO in eine Gruppenpraxis, bei Telmed rufst du zuerst eine medizinische Beratung an. Alle drei senken die Prämie spürbar gegen eine Einschränkung der freien Arztwahl.

Die Einschränkung ist geringer, als sie klingt: Notfälle, Augenarzt und Gynäkologie sind meist ausgenommen. Wer ohnehin immer zum selben Hausarzt geht, verliert praktisch nichts.

Was die Zusatzversicherung ist und was nicht

Sie folgt anderem Recht als die Grundversicherung: eigene Kündigungsfristen, kein Aufnahmezwang, Gesundheitsprüfung beim Abschluss. Das macht eine Kündigung zur Einbahnstrasse – zurück geht es nur mit erneuter Prüfung.

Die Grundversicherung wechselst du unabhängig davon. Deine Kasse darf nicht verlangen, dass du die Zusatzversicherung mitkündigst, und sie darf sie auch nicht selbst kündigen.

Der Abgleich mit der Realität

Prüfe das Ergebnis an einem realen Fall aus den letzten zwölf Monaten. Eine Berechnung, die sich nicht an mindestens einer tatsächlichen Rechnung nachvollziehen lässt, beruht auf einer Annahme, die nicht zu dir passt.

Achte besonders auf die Posten, die nicht monatlich anfallen. Sie fehlen in der Monatsbetrachtung, aus der die meisten ihre Eingaben ableiten – und genau dort entstehen die grössten Abweichungen.

Was die Grundversicherung deckt

Ambulante und stationäre Behandlung, Medikamente aus der Spezialitätenliste, Mutterschaft, bestimmte Präventionsleistungen und Notfälle im Ausland in begrenztem Umfang.

Nicht gedeckt sind Zahnbehandlungen ausser bei bestimmten Erkrankungen, Brillen bei Erwachsenen und Komplementärmedizin ausserhalb des Katalogs. Genau diese Posten gehören als eigene Budgetzeile geführt.

Die vier Stellschrauben und ihre Wirkung

Erstens die Kasse selbst: Zwischen der günstigsten und der teuersten Kasse derselben Region liegen oft mehr als CHF 1'000 pro Jahr – die grösste Einzelwirkung. Zweitens das Modell: HMO, Hausarzt oder Telmed bringen 13 bis 19 Prozent Rabatt, bei einer Referenzprämie von CHF 520 also bis rund CHF 1'180 im Jahr.

Drittens die Franchise: zwischen CHF 300 und 2500 wählbar, mit einem Prämienrabatt von bis zu rund CHF 1'310 – aber eben auch CHF 2'200 höherem Eigenrisiko. Viertens die Prämienverbilligung, auf die rund 30 Prozent der Versicherten Anspruch haben.

Wie Franchise und Selbstbehalt zusammenspielen

Bis zur Franchise zahlst du alles selbst. Darüber übernimmt die Kasse 90 Prozent, du trägst 10 Prozent Selbstbehalt – höchstens CHF 700 pro Jahr für Erwachsene, CHF 350 für Kinder.

Das maximale Eigenrisiko ist damit rechenbar: Franchise plus Selbstbehalt-Höchstbetrag. Bei der Mindestfranchise sind es CHF 1’000, bei der höchsten CHF 3’200. Wer diese beiden Zahlen kennt, kann die Franchisefrage ohne Bauchgefühl entscheiden – es geht um eine Differenz von genau CHF 2'200 im schlimmsten Fall gegen rund CHF 1'310 sicheren Prämienrabatt.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine hohe Franchise?+

Wenn du selten zum Arzt gehst, meist ja. Bei regelmässigen Leistungen ist eine tiefe Franchise oft günstiger.

Sind die Leistungen bei allen Kassen gleich?+

In der Grundversicherung ja, sie sind gesetzlich festgelegt. Unterschiede gibt es nur bei Prämie, Service und den freiwilligen Zusatzversicherungen.

Bis wann kann ich die Kasse wechseln?+

Die Kündigung muss bis zum 30. November bei der bisherigen Kasse eingetroffen sein. Massgebend ist der Eingang, nicht der Poststempel.

Was ist der Unterschied zwischen Franchise und Selbstbehalt?+

Die Franchise trägst du vollständig selbst. Ist sie erreicht, zahlst du zusätzlich 10 % der weiteren Kosten als Selbstbehalt, höchstens CHF 700 pro Jahr bei Erwachsenen.

Kann mich eine Kasse ablehnen?+

In der Grundversicherung nicht – es gilt Aufnahmezwang unabhängig von Alter und Gesundheitszustand. Bei Zusatzversicherungen dagegen schon.

Was verliere ich mit einem Sparmodell?+

Die freie Arztwahl beim Erstkontakt. Notfälle, Augenarzt und Gynäkologie sind meist ausgenommen – wer ohnehin denselben Hausarzt hat, verliert praktisch nichts.

Warum weicht mein tatsächlicher Wert ab?+

Meist wegen vergessener Rückstellungen für Steuern, Zahnarzt oder Selbstbehalt. Sie fallen jährlich an und fehlen in der Monatsbetrachtung.

Wie oft soll ich nachrechnen?+

Einmal jährlich und nach jeder wesentlichen Veränderung – Umzug, Pensumsänderung, Familienzuwachs oder Lohnerhöhung.

Was ist der Unterschied zwischen Franchise und Selbstbehalt?+

Die Franchise trägst du vollständig selbst. Was darüber hinausgeht, teilt sich: Die Kasse übernimmt 90 Prozent, du zahlst 10 Prozent Selbstbehalt bis höchstens CHF 700 pro Jahr. Dein maximales Eigenrisiko ist die Summe aus beidem.

Rechne durch, was der Wechsel bringt

Franchise, Modell und Region zusammen entscheiden über mehrere hundert Franken im Jahr. Der Rechner zeigt dir die Differenz für deine Situation.