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Vorsorge

Scheidung nach Pensionierung: was mit der Rente geschieht

Kurz beantwortet: Bezieht bei Einleitung der Scheidung schon ein Ehegatte eine Altersrente, teilt das Gericht diese Rente nach Ermessen (Art. 124a ZGB). Der zugesprochene Anteil wird in eine lebenslange Rente für die andere Person umgerechnet. Bei der AHV werden die Einkommen der Ehejahre gesplittet und die Plafonierung fällt weg: Statt höchstens CHF 3’840 können zwei Einzelrenten zusammen bis CHF 5’120 betragen.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Oktober 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Der Stichtag ist die Einleitung des Verfahrens

Kurz: Seit 2017 kommt es darauf an, ob bei Einleitung der Scheidung bereits ein Vorsorgefall eingetreten ist. Ist noch niemand pensioniert, wird die während der Ehe angesparte Austrittsleistung grundsätzlich hälftig geteilt. Ist ein Ehegatte bereits pensioniert, gibt es kein Guthaben mehr zu teilen – dann wird die laufende Rente geteilt.

Das Gericht entscheidet dabei «nach angemessenem Ermessen» und berücksichtigt vor allem die Dauer der Ehe und den Vorsorgebedarf beider Seiten. Eine starre Halbierung gibt es nicht; in der Praxis orientieren sich viele Urteile am Anteil der Ehejahre an der Beitragszeit.

So wird aus dem Rentenanteil eine lebenslange Rente

Der zugesprochene Rentenanteil wird nicht einfach monatlich weitergeleitet, sondern versicherungsmathematisch in eine lebenslange Rente für die berechtigte Person umgerechnet (Art. 124a Abs. 2 ZGB). Ist diese jünger, rechnet die Kasse mit einer längeren Bezugsdauer – die umgerechnete Rente fällt dann tiefer aus als der Betrag, um den die Rente des Verpflichteten sinkt.

Hat die berechtigte Person das Referenzalter erreicht, wird ihr die Rente direkt ausgerichtet. Vorher fliesst sie in ihre Pensionskasse oder auf ein Freizügigkeitskonto und erhöht dort die eigene Vorsorge.

  • Rentenanteil nach Ermessen des Gerichts
  • Umrechnung in eine lebenslange Rente
  • Direktzahlung ab Referenzalter, sonst in die Vorsorge

Wenn das Kapital schon bezogen wurde

Wer das Pensionskassenguthaben bei der Pensionierung als Kapital bezogen hat, hat keine Vorsorge mehr, die geteilt werden kann. Das Kapital – oder was davon übrig ist – wird dann in der güterrechtlichen Auseinandersetzung behandelt, unter der Errungenschaftsbeteiligung also meist als Errungenschaft, soweit es aus Beiträgen während der Ehe stammt.

Das macht einen grossen Unterschied: Im Güterrecht zählt das vorhandene Vermögen am Stichtag, nicht der frühere Vorsorgewert. Ist das Kapital in ein Haus geflossen oder verbraucht, ändert das die Teilung. Hier lohnt sich eine juristische Beratung früh.

AHV: Splitting und das Ende der Plafonierung

Bei der Scheidung werden die AHV-Einkommen der gemeinsamen Ehejahre je zur Hälfte auf beide Konten verteilt (Einkommenssplitting), und beide Renten werden neu berechnet. Gleichzeitig entfällt die Plafonierung: Verheiratete erhalten zusammen höchstens 150 Prozent einer Maximalrente, Geschiedene je eine eigene volle Rente.

Situation (2027)AHV pro Monat
Ehepaar mit zwei Maximalrenten, plafoniertCHF 3’840
Nach Scheidung, zwei MaximalrentenCHF 5’120
Mehr für beide Haushalte zusammenCHF 1’280

Das Mehr bei der AHV deckt die zusätzlichen Kosten zweier Haushalte selten ganz, mildert sie aber spürbar. Die Neuberechnung beantragt man bei der Ausgleichskasse mit dem rechtskräftigen Scheidungsurteil.

Das neue Budget: zwei Haushalte statt einem

Nach einer Scheidung im Rentenalter verdoppeln sich viele Fixkosten: zwei Mieten, zwei Haushalte, oft zwei Autos oder ÖV-Abos. Gleichzeitig sinken die Renten des Verpflichteten. Wer den neuen Bedarf früh durchrechnet, erkennt, ob die Renten reichen oder ob Ergänzungsleistungen in Frage kommen.

Die Ergänzungsleistungen sind ein Rechtsanspruch, wenn Renten und Vermögen den anerkannten Bedarf nicht decken. Prüfe zusätzlich die Prämienverbilligung: Die mittlere Prämie für Erwachsene liegt 2027 bei CHF 488 pro Monat und wird nach der Scheidung pro Person berechnet.

Hinterlassenenleistungen nicht vergessen

Geschiedene erhalten beim Tod des früheren Ehegatten nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Witwen- oder Witwerrente, etwa wenn ihnen im Urteil eine Rente oder Kapitalabfindung zugesprochen wurde und die Ehe lange gedauert hat. In der Pensionskasse richtet sich der Anspruch nach Gesetz und Reglement.

Wer bisher auf die Hinterlassenenrente des Partners gezählt hat, muss diese Absicherung nach der Scheidung neu denken – mit einer eigenen Reserve oder einer Lebensversicherung. Ein aktuelles Budget mit beiden Szenarien schafft Klarheit, bevor das Urteil feststeht.

In BudgetHub legst du für die Zeit nach der Trennung einen eigenen Hub an: Renten, neue Miete und Krankenkasse als Fixposten, getrennt vom bisherigen gemeinsamen Budget. So siehst du schon vor dem Urteil, ob die neue Rechnung aufgeht. Kostenlos, ohne Bankverbindung.

Der Koordinationsabzug bei Teilzeit

Die Pensionskasse versichert nur den Lohnteil über dem Koordinationsabzug – und der ist ein fixer Betrag. Bei kleinem Pensum frisst er einen viel grösseren Anteil weg als bei einem vollen.

Prüfenswert ist, ob die eigene Kasse den Abzug anteilig zum Pensum kürzt. Immer mehr tun das, und der Unterschied ist über eine Erwerbsbiografie erheblich.

AHV-Lücken früh erkennen

Jedes fehlende Beitragsjahr kürzt die Rente um rund 2,3 Prozent, dauerhaft. Nachzahlen lässt sich nur fünf Jahre rückwirkend – wer eine ältere Lücke entdeckt, kann nichts mehr tun.

Der Kontoauszug ist bei der Ausgleichskasse kostenlos erhältlich. Ihn alle fünf Jahre zu prüfen ist kein willkürlicher Rhythmus, sondern genau die Frist, innerhalb derer eine Lücke noch schliessbar ist.

Die grosse Säule 3a für Selbstständige

Wer keiner Pensionskasse angehört, darf 20 Prozent des Erwerbseinkommens einzahlen – bis zu einer deutlich höheren Obergrenze als bei Angestellten.

Das ist bei Selbstständigen oft das wichtigste Vorsorgeinstrument überhaupt, weil die zweite Säule fehlt.

Häufige Fragen

Was passiert mit der Pensionskassenrente bei einer Scheidung nach der Pensionierung?+

Das Gericht teilt die laufende Rente nach Ermessen. Der Anteil wird in eine lebenslange Rente für die andere Person umgerechnet und von der Kasse des Verpflichteten ausgerichtet.

Wird die Rente hälftig geteilt?+

Nicht zwingend. Das Gericht berücksichtigt vor allem die Dauer der Ehe und den Vorsorgebedarf beider Ehegatten; eine starre Halbierung wie beim Guthaben vor der Pensionierung gibt es nicht.

Was gilt, wenn das PK-Kapital schon bezogen wurde?+

Dann gibt es keinen Vorsorgeausgleich mehr. Das noch vorhandene Kapital wird in der güterrechtlichen Auseinandersetzung geteilt, meist als Errungenschaft.

Steigt die AHV nach der Scheidung?+

Oft ja, weil die Plafonierung entfällt: Zwei Maximalrenten ergeben 2027 zusammen CHF 5’120 statt höchstens CHF 3’840. Die Neuberechnung beantragt man bei der Ausgleichskasse.

Wann wird die geteilte Rente direkt ausbezahlt?+

Hat die berechtigte Person das Referenzalter erreicht, erhält sie die lebenslange Rente direkt. Vorher fliesst sie in ihre Pensionskasse oder auf ein Freizügigkeitskonto.

Habe ich nach der Scheidung Anspruch auf eine Witwenrente?+

Nur unter bestimmten Voraussetzungen, etwa bei einer im Urteil zugesprochenen Rente und langer Ehedauer. Die Regeln von AHV und Pensionskasse unterscheiden sich – frühzeitig klären.

Warum trifft Teilzeit die Vorsorge überproportional?+

Weil der Koordinationsabzug ein fixer Betrag ist und bei kleinem Pensum einen grösseren Anteil des Lohns wegnimmt.

Wie oft soll ich meinen AHV-Kontoauszug prüfen?+

Alle fünf Jahre – das ist genau die Frist, innerhalb derer sich eine entdeckte Beitragslücke noch schliessen lässt.

Wie viel dürfen Selbstständige in die 3a einzahlen?+

20 Prozent des Erwerbseinkommens bis zu einer höheren Obergrenze als bei Angestellten mit Pensionskasse.

Plan dein Budget für die Zeit danach

AHV und Pensionskasse zusammen ersetzen selten den vollen Lohn. Wer die Lücke früh kennt, hat noch Handlungsspielraum – wer sie spät entdeckt, nicht mehr.