Vorsorge

Pensionskassenausweis lesen: die 10 wichtigsten Zahlen

Kurz beantwortet: Der Pensionskassenausweis zeigt jedes Jahr, wie viel Altersguthaben du hast, welche Rente du mit 65 erwarten kannst, wie du bei Invalidität und Tod abgesichert bist und wie viel du dich steuerbegünstigt einkaufen könntest. Die wichtigsten Zahlen sind versicherter Lohn, Altersguthaben, projizierte Altersrente, Umwandlungssatz und Einkaufspotenzial.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Oktober 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Warum sich die zehn Minuten lohnen

Kurz: Die Pensionskasse ist für die meisten Angestellten nach der AHV die grösste Einkommensquelle im Alter – oft grösser als das ganze übrige Vermögen. Trotzdem lesen viele den Ausweis nie. Wer ihn versteht, erkennt Vorsorgelücken früh, sieht den Spielraum für Steuerersparnisse und weiss, wie die Familie im Ernstfall abgesichert ist.

Der Ausweis wird meist im Frühling verschickt und steht oft auch im Online-Portal der Kasse. Er bezieht sich auf einen Stichtag, meist den 1. Januar.

Die Zahlen im Überblick

Positionwas sie bedeutet
Massgebender JahreslohnAHV-Lohn, auf den die Kasse abstellt
KoordinationsabzugTeil des Lohns, der nicht versichert ist (BVG 2026: CHF 26’460)
Versicherter LohnBasis für Beiträge und Leistungen
Altersguthaben heutedein angespartes Kapital, inkl. Zins
davon BVG-ObligatoriumMindestteil mit gesetzlichem Mindestzins und Umwandlungssatz
Projiziertes Guthaben mit 65Hochrechnung mit Annahmezins, ohne Garantie
UmwandlungssatzProzentsatz für die Umrechnung in eine Rente (BVG-Minimum 6,8 % auf dem Obligatorium)
Altersrente pro Jahrprojizierte Rente ab Referenzalter
RisikoleistungenInvalidenrente, Ehegatten-/Partner- und Kinderrente, Todesfallkapital
Maximaler EinkaufBetrag, den du freiwillig einzahlen und abziehen kannst

Die drei Prüffragen

Erstens: Reicht die projizierte Rente? Zusammen mit der AHV sollten rund 60 bis 80 % des letzten Einkommens erreicht werden, um den Lebensstandard zu halten. Liegt die Summe darunter, besteht eine Vorsorgelücke, die mit Säule 3a, Einkauf oder freiem Sparen geschlossen werden kann.

Zweitens: Wie hoch ist der Umwandlungssatz wirklich? Viele Kassen wenden einen umhüllenden Satz auf das gesamte Guthaben an, der deutlich unter 6,8 % liegen kann. Ein Prozentpunkt weniger bedeutet bei CHF 500'000 Guthaben CHF 5'000 weniger Rente pro Jahr.

Drittens: Ist die Familie abgesichert? Prüfe Invalidenrente, Ehegatten- oder Lebenspartnerrente und Todesfallkapital. Konkubinatspartner müssen der Kasse oft aktiv gemeldet werden, sonst erhalten sie nichts.

Beiträge: wer wie viel zahlt

Auf dem Ausweis stehen auch die Beiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, aufgeteilt in Spar- und Risikobeiträge. Der Arbeitgeber muss mindestens die Hälfte zahlen; viele übernehmen mehr. Ein grosszügiger Vorsorgeplan ist eine versteckte Lohnkomponente – beim Stellenwechsel lohnt sich der Vergleich der Reglemente, nicht nur des Bruttolohns.

Manche Kassen bieten Wahlpläne: Du kannst freiwillig höhere Sparbeiträge leisten, die ebenfalls steuerlich abziehbar sind. Das ist eine Alternative zum Einkauf, die das Guthaben gleichmässig über die Jahre erhöht.

Häufige Missverständnisse

Das projizierte Guthaben ist keine Garantie, sondern eine Hochrechnung mit einem angenommenen Zins. Liegt die tatsächliche Verzinsung tiefer, sinkt auch die Rente. Ebenso ist das Einkaufspotenzial kein Guthaben, sondern eine Obergrenze – es zeigt, wie viel du einzahlen dürftest, nicht, was du hast.

Wer seinen Lohn reduziert oder die Stelle wechselt, sollte den neuen Ausweis besonders genau lesen: Ein voller Koordinationsabzug bei Teilzeit kann den versicherten Lohn stark senken. Übertrage Altersguthaben, projizierte Rente und Einkaufspotenzial einmal im Jahr in deine Finanzübersicht.

In BudgetHub legst du 3a-Dauerauftrag, PK-Einkauf und Sparziele als Planposten an und siehst im Vermögensverlauf, wie deine Vorsorge Jahr für Jahr wächst.

Wo die Lücke entsteht

Zwischen den rund 60 Prozent des letzten Lohns aus AHV und Pensionskasse und dem gewohnten Lebensstandard. Verschärft wird sie bei Teilzeit, nach Erwerbspausen und bei Selbstständigen ohne Pensionskasse.

Prüfen lässt sie sich in zwanzig Minuten: Vorsorgeausweis der Pensionskasse und AHV-Kontoauszug, beide kostenlos erhältlich. Zusammen ergeben sie ein realistisches Bild.

Die Säule 3a im Jahresablauf

Die Einzahlung muss bis zum 31. Dezember gutgeschrieben sein – nicht überwiesen, gutgeschrieben. Eine Zahlung am 30. Dezember kann am 2. Januar ankommen, und der Abzug für das alte Jahr ist verloren.

Rechnerisch besser ist ohnehin der Januar: Das Geld ist elf Monate länger investiert, und bei einer Wertschriftenlösung kauft ein monatlicher Dauerauftrag über das Jahr verteilt ein.

Der Pensionskassen-Einkauf und seine Frist

Freiwillige Einkäufe sind vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar. Das Potenzial steht auf dem Vorsorgeausweis und entsteht nach Lohnsprüngen, Erwerbspausen oder einem Zuzug aus dem Ausland.

Die Falle: Ein Kapitalbezug innert drei Jahren nach einem Einkauf macht dessen Steuerabzug rückwirkend zunichte.

Häufige Fragen

Was ist der versicherte Lohn?+

Der Teil deines Lohns, auf den die Pensionskasse Beiträge erhebt und Leistungen berechnet – meist der AHV-Lohn minus Koordinationsabzug.

Ist das projizierte Altersguthaben garantiert?+

Nein. Es ist eine Hochrechnung mit einem Annahmezins. Garantiert ist nur das bereits angesparte Guthaben.

Was bedeutet der Umwandlungssatz?+

Er bestimmt, wie viel Rente pro Jahr du für dein Kapital erhältst. Bei 6 % ergibt CHF 100'000 eine Jahresrente von CHF 6'000.

Wie viel kann ich mich einkaufen?+

Das steht auf dem Ausweis als maximaler Einkauf. Der Betrag ist vom Einkommen abziehbar, unterliegt aber einer dreijährigen Sperrfrist für Kapitalbezüge.

Erhält meine Konkubinatspartnerin eine Rente?+

Nur wenn das Reglement eine Lebenspartnerrente vorsieht und die Partnerschaft der Kasse gemeldet wurde. Prüfe das unbedingt.

Wann bekomme ich den Ausweis?+

Meist einmal jährlich im ersten Quartal, oft auch digital. Bei Lohnänderungen oder Stellenwechsel stellt die Kasse einen neuen Ausweis aus.

Was ist der Unterschied zwischen Obligatorium und Überobligatorium?+

Das Obligatorium ist der gesetzliche Mindestteil mit Mindestzins und Mindestumwandlungssatz. Darüber hinausgehende Leistungen regelt das Reglement der Kasse frei.

Wie prüfe ich meine Vorsorgelücke?+

Über den Vorsorgeausweis der Pensionskasse und den kostenlosen AHV-Kontoauszug. Zusammen ergeben sie in zwanzig Minuten ein realistisches Bild.

Bis wann muss die 3a-Einzahlung erfolgen?+

Bis zum 31. Dezember gutgeschrieben. Der Zeitpunkt der Überweisung genügt nicht – zwischen den Feiertagen ist das ein reales Risiko.

Was ist die Dreijahresfrist beim PK-Einkauf?+

Ein Kapitalbezug innert drei Jahren nach einem Einkauf lässt dessen Steuerabzug rückwirkend entfallen.

Plan dein Budget für die Zeit danach

AHV und Pensionskasse zusammen ersetzen selten den vollen Lohn. Wer die Lücke früh kennt, hat noch Handlungsspielraum – wer sie spät entdeckt, nicht mehr.