Vorsorge

Koordinationsabzug BVG 2027: Teilzeit und PK

Kurz beantwortet: Der Koordinationsabzug ist der Lohnteil, der in der Pensionskasse nicht versichert ist, weil ihn die AHV abdeckt. Er steigt 2027 von CHF 26’460 auf CHF 26’880, die Eintrittsschwelle von CHF 22’680 auf CHF 23’040. Wer Teilzeit arbeitet, ist besonders betroffen: Bei CHF 50’000 Lohn sind im BVG-Minimum nur CHF 23’120 versichert.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Oktober 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Die Idee hinter dem Abzug

Kurz: Die erste und die zweite Säule sollen sich ergänzen, nicht doppeln. Weil die AHV die tiefen Einkommen bereits weitgehend abdeckt, versichert die Pensionskasse im gesetzlichen Minimum nur den Lohn über dem Koordinationsabzug. Dieser beträgt sieben Achtel der maximalen AHV-Rente.

Das Problem: Der Abzug ist ein fixer Frankenbetrag und berücksichtigt das Arbeitspensum nicht. Bei einem Vollzeitlohn von CHF 100'000 fällt er kaum ins Gewicht, bei einer 50-%-Stelle mit CHF 40'000 ist mehr als die Hälfte des Lohns nicht versichert.

Die Grenzbeträge 2026 und 2027

Grenzbetrag20262027
EintrittsschwelleCHF 22’680CHF 23’040
KoordinationsabzugCHF 26’460CHF 26’880
Oberer GrenzbetragCHF 90’720CHF 92’160
Minimaler koordinierter LohnCHF 3’780CHF 3’840

Die Werte hat der Bundesrat am 2. Oktober 2026 zusammen mit der Rentenerhöhung beschlossen. Sie gelten für das gesetzliche Minimum; viele Pensionskassen versichern mehr.

Versicherter Lohn nach Einkommen

Jahreslohnversichert 2026 (BVG-Minimum)versichert 2027
CHF 30’000CHF 3’780CHF 3’840
CHF 50’000CHF 23’540CHF 23’120
CHF 70’000CHF 43’540CHF 43’120
CHF 100’000CHF 64’260CHF 65’280

Unter der Eintrittsschwelle besteht keine obligatorische Versicherung. Wer mehrere kleine Teilzeitstellen hat, die einzeln unter der Schwelle liegen, kann sich freiwillig versichern lassen (Art. 46 BVG) – ein oft übersehener Weg, Vorsorgelücken zu vermeiden.

Was Teilzeitarbeitende tun können

Prüfe zuerst das Reglement deiner Kasse: Viele Arbeitgeber passen den Koordinationsabzug dem Pensum an oder verzichten ganz darauf. Das macht einen grossen Unterschied. Bei einer 60-%-Stelle mit CHF 54'000 Lohn sind mit vollem Abzug rund CHF 27'000 versichert, mit pensumabhängigem Abzug über CHF 38'000.

Wenn die Kasse den vollen Abzug anwendet, bleiben Säule 3a und freiwillige PK-Einkäufe. Bei der Stellensuche lohnt es sich, nach dem Vorsorgeplan zu fragen – er kann über die Jahre so viel wert sein wie eine Lohnerhöhung.

  • Reglement auf pensumabhängigen Abzug prüfen
  • Mehrere Kleinstpensen: freiwillige Versicherung
  • Lücke mit Säule 3a schliessen

Altersgutschriften: wie das Guthaben wächst

Auf den versicherten Lohn werden Altersgutschriften gutgeschrieben: 7 % von 25 bis 34, 10 % von 35 bis 44, 15 % von 45 bis 54 und 18 % von 55 bis 65. Ein tieferer versicherter Lohn bedeutet also über das ganze Erwerbsleben tiefere Gutschriften – bei CHF 10'000 weniger versichertem Lohn summiert sich das über 40 Jahre auf weit über CHF 100'000 Altersguthaben.

Die 2024 in der Volksabstimmung abgelehnte BVG-Reform hätte den Abzug gesenkt und Teilzeitarbeitende besser versichert. Heute gilt weiterhin der fixe Betrag – die Verantwortung liegt deshalb beim Arbeitgeberplan und bei der eigenen Vorsorge.

In BudgetHub legst du 3a-Dauerauftrag, PK-Einkauf und Sparziele als Planposten an und siehst im Vermögensverlauf, wie deine Vorsorge Jahr für Jahr wächst.

Der Koordinationsabzug bei Teilzeit

Die Pensionskasse versichert nur den Lohnteil über dem Koordinationsabzug – und der ist ein fixer Betrag. Bei kleinem Pensum frisst er einen viel grösseren Anteil weg als bei einem vollen.

Prüfenswert ist, ob die eigene Kasse den Abzug anteilig zum Pensum kürzt. Immer mehr tun das, und der Unterschied ist über eine Erwerbsbiografie erheblich.

AHV-Lücken früh erkennen

Jedes fehlende Beitragsjahr kürzt die Rente um rund 2,3 Prozent, dauerhaft. Nachzahlen lässt sich nur fünf Jahre rückwirkend – wer eine ältere Lücke entdeckt, kann nichts mehr tun.

Der Kontoauszug ist bei der Ausgleichskasse kostenlos erhältlich. Ihn alle fünf Jahre zu prüfen ist kein willkürlicher Rhythmus, sondern genau die Frist, innerhalb derer eine Lücke noch schliessbar ist.

Die grosse Säule 3a für Selbstständige

Wer keiner Pensionskasse angehört, darf 20 Prozent des Erwerbseinkommens einzahlen – bis zu einer deutlich höheren Obergrenze als bei Angestellten.

Das ist bei Selbstständigen oft das wichtigste Vorsorgeinstrument überhaupt, weil die zweite Säule fehlt.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Koordinationsabzug 2027?+

CHF 26’880 (2026: CHF 26’460). Er entspricht sieben Achteln der maximalen AHV-Rente.

Ab welchem Lohn bin ich in der Pensionskasse versichert?+

Ab einem Jahreslohn von CHF 23’040 (2027) beim selben Arbeitgeber, im gesetzlichen Minimum.

Warum ist bei Teilzeit so wenig versichert?+

Weil der Koordinationsabzug ein fixer Betrag ist. Bei tiefem Lohn macht er einen grossen Anteil aus, sofern die Kasse ihn nicht ans Pensum anpasst.

Kann ich mich bei mehreren Teilzeitstellen versichern?+

Ja, freiwillig über die Pensionskasse eines Arbeitgebers oder die Auffangeinrichtung (Art. 46 BVG), wenn der Gesamtlohn über der Eintrittsschwelle liegt.

Wo sehe ich meinen Koordinationsabzug?+

Auf dem Pensionskassenausweis, zusammen mit dem massgebenden und dem versicherten Lohn.

Was ist der minimale koordinierte Lohn?+

Wer über der Eintrittsschwelle verdient, ist mindestens mit CHF 3’840 versichert (2027).

Gilt der Koordinationsabzug auch im Überobligatorium?+

Nein, das regelt jede Kasse selbst. Viele versichern mehr Lohn als das Gesetz verlangt.

Warum trifft Teilzeit die Vorsorge überproportional?+

Weil der Koordinationsabzug ein fixer Betrag ist und bei kleinem Pensum einen grösseren Anteil des Lohns wegnimmt.

Wie oft soll ich meinen AHV-Kontoauszug prüfen?+

Alle fünf Jahre – das ist genau die Frist, innerhalb derer sich eine entdeckte Beitragslücke noch schliessen lässt.

Wie viel dürfen Selbstständige in die 3a einzahlen?+

20 Prozent des Erwerbseinkommens bis zu einer höheren Obergrenze als bei Angestellten mit Pensionskasse.

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