Die drei Daten, die zählen
Der Prämienzyklus ist jedes Jahr derselbe, und er ist erstaunlich kurz. Ende September 2026 publiziert das BAG die verbindlichen Prämien für 2027. Im Oktober kommt der Brief deiner Kasse. Am 30. November muss eine Kündigung bei der bisherigen Kasse eingetroffen sein – nicht abgeschickt, eingetroffen.
Dazwischen liegen rund acht Wochen für eine Entscheidung, die mehrere hundert Franken im Jahr ausmacht. Wer erst im November anfängt zu vergleichen, entscheidet unter Zeitdruck – und bleibt deshalb überdurchschnittlich oft einfach bei der alten Kasse.
Warum die Prämien steigen, obwohl das Kostenwachstum moderater ist
Die Prämie folgt nicht eins zu eins den Gesundheitskosten. Drei Effekte wirken zusätzlich: Der Leistungskatalog der Grundversicherung wird laufend erweitert – zuletzt etwa um die psychologische Psychotherapie, um Medikamente zur Gewichtsreduktion und um die Entschädigung pflegender Angehöriger. Dazu kommen die Alterung und ein Mengenwachstum.
Der vierte Effekt ist ein Nachholeffekt: Zwischen 2019 und 2022 wurden Reserven abgebaut und Prämien politisch tief gehalten. Was danach kam, war teilweise Wiederaufbau dieser Reserven – nicht ausschliesslich echtes Kostenwachstum. Das erklärt, warum die Sprünge grösser waren als die Kostenkurve.
Deine vier Hebel, nach Wirkung sortiert
Nicht jeder Hebel passt zu jeder Situation, aber die Reihenfolge nach Sparpotenzial ist ziemlich stabil:
- Kassenwechsel: die Leistungen sind gesetzlich identisch, die Prämien unterscheiden sich je nach Kanton erheblich – hier liegt in der Regel der grösste Betrag.
- Versicherungsmodell: Hausarzt, HMO oder Telmed statt freier Arztwahl.
- Franchise: passend zum tatsächlichen Gesundheitsprofil, nicht nach Gefühl.
- Prämienverbilligung: der Anspruch wird häufiger übersehen, als man denkt – prüfen kostet nichts.
Der Fehler, der die Erhöhung teurer macht als nötig
Die meisten Haushalte reagieren auf den Oktoberbrief gar nicht – und die, die reagieren, kürzen dann irgendwo anders. Meist trifft es das Sparen, weil es der einzige Posten ohne Rechnung und ohne Mahnung ist.
Das ist die eigentliche Kostenfolge einer Prämienerhöhung: nicht die Prämie selbst, sondern die stille Verdrängung des Sparbetrags. Wer die Erhöhung stattdessen bewusst gegen einen anderen Posten verrechnet, behält die Kontrolle über die Entscheidung.
Trag die neue Prämie in BudgetHub ein, sobald der Brief da ist – du siehst sofort, was sie im Monatsbudget verdrängt, und kannst gegensteuern, bevor die Frist abläuft.
Warum ein Wechsel nichts kostet
Die Leistungen der Grundversicherung sind gesetzlich in allen Kassen identisch. Wer wechselt, verliert also nichts ausser der Prämiendifferenz – und die beträgt je nach Kanton mehrere hundert bis über CHF 2'000 im Jahr.
Abgelehnt werden kann niemand: In der Grundversicherung gilt Aufnahmezwang, unabhängig von Alter und Gesundheitszustand. Nur offene, gemahnte Prämien bei der alten Kasse blockieren den Wechsel.
Gesundheitskosten als Budgetposten
Die Prämie ist der planbare Teil. Franchise und Selbstbehalt sind es nicht – bei der Höchstfranchise summieren sie sich im ungünstigsten Jahr auf CHF 3'200 pro Person.
Sauber ist eine eigene Rückstellungskategorie «Gesundheit» mit einem Zwölftel des erwarteten Jahresbetrags. Der Notgroschen ist dafür nicht gedacht – er ist für Einkommensausfälle da.
Kinder und Familienrabatte
Für Kinder gibt es keine Mindestfranchise, und viele Kassen staffeln die Prämien ab dem zweiten oder dritten Kind – bei einzelnen ist das dritte Kind prämienfrei.
Für Familien zählt deshalb die Gesamtrechnung, nicht die günstigste Einzelprämie. Die Kasse mit dem tiefsten Erwachsenentarif ist bei drei Kindern nicht zwingend die günstigste.
