Alter und Pflege

Spitex privat oder öffentlich: Kosten im Vergleich

Kurz beantwortet: Für ärztlich verordnete Pflege kostet die öffentliche und die private Spitex gleich viel – die Krankenkasse zahlt denselben Tarif, der Kanton die Restkosten, du einen begrenzten Eigenanteil. Unterschiede gibt es bei Betreuung und Haushalt: Hier verlangen private Anbieter meist CHF 40 bis 70 pro Stunde, öffentliche Spitex oft weniger, dafür mit Wartezeiten und kürzeren Einsätzen.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Oktober 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Pflege ist reguliert, Betreuung nicht

Kurz: Bei der Spitex muss man zwei Leistungsarten unterscheiden. Pflege – Abklärung, Behandlungspflege wie Verbände oder Medikamente und Grundpflege wie Waschen und Ankleiden – ist eine KVG-Leistung mit festen Tarifen. Hauswirtschaft und Betreuung – Putzen, Kochen, Einkaufen, Begleitung, Präsenz – sind private Dienstleistungen.

Private Spitex-Organisationen mit kantonaler Bewilligung rechnen Pflege zu denselben KVG-Tarifen ab wie die öffentliche Spitex. In einigen Kantonen erhalten sie aber eine tiefere Restfinanzierung, dann kann ein zusätzlicher Selbstbehalt anfallen. Vorher nachfragen lohnt sich.

Kostenvergleich nach Leistung

Leistungöffentliche Spitexprivate Spitexwer zahlt
Pflege (verordnet)KVG-Tarif + EigenanteilKVG-Tarif + Eigenanteil, teils ZuschlagKasse, Kanton, du
Hauswirtschaftca. CHF 35–55/h, oft subventioniertca. CHF 40–70/hdu (teils Zusatzversicherung)
Betreuung, Begleitungbegrenztes Angebotca. CHF 40–70/hdu
24-Stunden-Betreuungneinca. CHF 6'000–15'000/Monatdu

Die Tarife für Hauswirtschaft sind bei öffentlichen Organisationen oft nach Einkommen abgestuft. Private Anbieter bieten dafür meist längere Einsätze, feste Bezugspersonen und Einsätze am Abend oder Wochenende.

24-Stunden-Betreuung: was zu beachten ist

Die Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause durch eine im Haushalt lebende Betreuungsperson ist eine Alternative zum Heim. Sie ist arbeitsrechtlich anspruchsvoll: Es gelten kantonale Normalarbeitsverträge für die Hauswirtschaft, Mindestlöhne, Ruhezeiten und Sozialversicherungen. Wer direkt anstellt, wird Arbeitgeber mit allen Pflichten.

Seriöse Agenturen übernehmen die Anstellung und rechnen transparent ab. Sehr tiefe Angebote deuten oft darauf hin, dass Präsenzzeiten nicht entschädigt werden – ein rechtliches und ethisches Risiko.

  • Normalarbeitsvertrag Hauswirtschaft beachten
  • Sozialversicherungen und Unfallversicherung klären
  • Präsenzzeit ist Arbeitszeit

Kostenbeispiel für eine Woche zu Hause

Herr K., 81, lebt allein und braucht nach einer Hüftoperation Unterstützung. Die Spitex kommt täglich für Medikamente und Körperpflege, zusammen rund fünf Stunden pro Woche – das läuft über die Krankenkasse, er zahlt nur den begrenzten Eigenanteil. Zusätzlich bucht er zweimal pro Woche drei Stunden Haushalt und Begleitung zum Einkaufen.

Bei einem Stundenansatz von CHF 45 für die Hauswirtschaft sind das CHF 270 pro Woche oder rund CHF 1'170 im Monat, die er selbst bezahlt. Mit einer Zusatzversicherung für Haushaltshilfe oder mit Ergänzungsleistungen sinkt der Betrag. Ohne diese Stützen ist ein solcher Bedarf mit einer durchschnittlichen Rente auf Dauer kaum tragbar – ein Grund, früh zu prüfen, welche Leistungen zustehen.

Hilfreich ist ein Wochenplan, der Pflege, Haushalt und Unterstützung durch Angehörige zusammenführt. Er zeigt, wo private Stunden nötig sind und wo Familie oder Nachbarn einspringen können.

So findest du die passende Lösung

Starte mit einer Bedarfsabklärung der öffentlichen Spitex – sie ist für die KVG-Pflege ohnehin nötig. Danach lässt sich entscheiden, welche Betreuung zusätzlich privat eingekauft wird. Ergänzungsleistungen vergüten Kosten für Hilfe zu Hause bis zu kantonalen Höchstbeträgen, und die Hilflosenentschädigung hilft, Betreuung zu finanzieren.

Vergleiche bei privaten Anbietern immer den Stundentarif inklusive Wegzeit, Mindesteinsatzdauer und Zuschlägen für Abend und Wochenende.

Wer die Finanzen eines Elternteils mitverwaltet, behält in BudgetHub Renten, Heimrechnung und Ergänzungsleistungen in einem eigenen Hub im Blick – getrennt vom eigenen Budget und für Geschwister teilbar.

Häufige Fragen

Ist private Spitex teurer als öffentliche?+

Für verordnete Pflege meist nicht, weil dieselben KVG-Tarife gelten. Bei Betreuung und Haushalt sind private Anbieter oft teurer, dafür flexibler.

Zahlt die Krankenkasse die private Spitex?+

Ja, für Pflegeleistungen, wenn die Organisation kantonal zugelassen ist und die Pflege ärztlich verordnet wurde.

Was kostet eine Stunde Haushaltshilfe der Spitex?+

Bei öffentlichen Organisationen meist CHF 35 bis 55, abgestuft nach Einkommen; bei privaten CHF 40 bis 70.

Was kostet 24-Stunden-Betreuung zu Hause?+

Je nach Modell und Anbieter rund CHF 6'000 bis 15'000 pro Monat, inklusive Lohn, Sozialversicherungen und Kost und Logis.

Übernehmen Ergänzungsleistungen Spitex-Kosten?+

Ja, Kosten für Hilfe, Pflege und Betreuung zu Hause werden bis zu kantonalen Höchstbeträgen vergütet.

Brauche ich eine ärztliche Verordnung?+

Für Pflegeleistungen über die Krankenkasse ja. Hauswirtschaft und Betreuung kannst du ohne Verordnung privat beziehen.

Was ist der Eigenanteil bei der Spitex-Pflege?+

Höchstens 20 % des höchsten Krankenkassenbeitrags für Spitex-Pflege pro Tag. Viele Kantone verlangen weniger oder gar keinen Anteil.

Kann ich Spitex-Kosten von den Steuern abziehen?+

Pflegekosten ja, als Krankheitskosten über dem Selbstbehalt; bei Hilflosigkeit als behinderungsbedingte Kosten sogar ohne Selbstbehalt. Reine Haushaltshilfe meist nicht.

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