Die Regel in einem Satz
Kurz: Ein offener Vorbezug für Wohneigentum (WEF) blockiert jeden freiwilligen Einkauf in dieselbe Vorsorge. Das Gesetz will verhindern, dass jemand Geld steuergünstig bezieht und es gleich wieder steuerwirksam einzahlt. Deshalb kommt zuerst die Rückzahlung, dann der Einkauf.
Für den Vorbezug selbst gelten eigene Regeln der Wohneigentumsförderungsverordnung: Er beträgt mindestens CHF 20’000, darf nur alle 5 Jahre erfolgen und ist ab 50 auf den Betrag mit 50 oder die Hälfte des aktuellen Guthabens beschränkt.
Rückzahlung: was sie kostet und was sie bringt
Zurückbezahlen kannst du freiwillig in Tranchen von mindestens CHF 10’000, bis zur Entstehung des Anspruchs auf Altersleistungen. Beim Verkauf des Wohneigentums ist die Rückzahlung Pflicht. Die Rückzahlung ist nicht vom Einkommen abziehbar – sie füllt nur die Lücke, die der Vorbezug gerissen hat.
Dafür erstattet die Steuerverwaltung die Kapitalsteuer zurück, die beim Vorbezug fällig wurde, allerdings ohne Zins. Den Antrag stellst du innert drei Jahren nach der Rückzahlung mit der Bestätigung der Pensionskasse. Wer die Frist verpasst, verliert den Anspruch.
- Mindestbetrag pro Rückzahlung: CHF 10’000
- Steuer des Vorbezugs: zinslos zurück auf Antrag
- Antragsfrist: drei Jahre ab Rückzahlung
Ein Beispiel durchgerechnet
Herr K. hat 2019 für den Kauf seiner Wohnung CHF 60’000 vorbezogen und darauf rund CHF 4’200 Kapitalsteuer bezahlt. Heute möchte er CHF 50’000 einkaufen, um Steuern zu sparen. Das geht erst, wenn er die CHF 60’000 zurückgezahlt hat.
| Schritt | Wirkung |
|---|---|
| Rückzahlung CHF 60’000 | nicht abziehbar, Vorbezug getilgt |
| Antrag Steuerrückerstattung | CHF 4’200 zinslos zurück |
| Einkauf CHF 50’000 | vom Einkommen abziehbar, bei 30 % rund CHF 15’000 weniger Steuern |
Er braucht also CHF 110’000 Liquidität, um den Steuervorteil des Einkaufs zu erhalten. Hat er das Geld nicht, ist die Rückzahlung allein selten ein gutes Geschäft – eine indirekte Amortisation über die Säule 3a kann die bessere Wahl sein.
Wenn die Rückzahlung nicht mehr möglich ist
Ist der Anspruch auf Altersleistungen entstanden, kann ein Vorbezug nicht mehr zurückbezahlt werden. Dann sind freiwillige Einkäufe nur noch erlaubt, soweit sie zusammen mit den Vorbezügen die reglementarisch höchstmöglichen Vorsorgeansprüche nicht übersteigen (Art. 60d BVV 2). Die Kasse rechnet den offenen Vorbezug also gegen das Einkaufspotenzial.
Eine Ausnahme gilt nach einer Scheidung: Wer Guthaben im Vorsorgeausgleich abgeben musste, darf es wieder einkaufen, auch wenn ein Vorbezug offen ist. Dieser Wiedereinkauf ist steuerlich wie ein normaler Einkauf abziehbar.
Die Sperrfrist wirkt auch umgekehrt
Wer zuerst einkauft und innerhalb von 3 Jahren einen Vorbezug für Wohneigentum macht, bezieht die eingekauften Mittel faktisch als Kapital. Die Steuerbehörden rechnen dann den Einkauf nachträglich auf. Wer in den nächsten Jahren ein Haus kaufen will, plant deshalb zuerst den Vorbezug und erst danach den Einkauf.
Die Reihenfolge lohnt sich schriftlich festzuhalten – mit Datum des Vorbezugs, der Rückzahlungen und der Einkäufe. Bei der Pensionierung oder einem Verkauf fragt die Kasse genau danach, und eine lückenlose Liste spart Zeit und Rückfragen.
So entscheidest du
Drei Fragen klären die Lage: Wie viel freie Liquidität hast du nach Notgroschen und Hypothekarverpflichtungen? Wie hoch ist dein Grenzsteuersatz heute und voraussichtlich bei der Pensionierung? Und willst du das Wohneigentum behalten? Wer verkaufen wird, muss ohnehin zurückzahlen – dann lässt sich der Einkauf direkt danach planen.
Lass dir von der Pensionskasse den offenen Vorbezug, das Einkaufspotenzial nach Rückzahlung und die Kapitalsteuer des Vorbezugs schriftlich bestätigen. Mit diesen drei Zahlen lässt sich die Rechnung sauber machen.
In BudgetHub legst du 3a-Dauerauftrag, PK-Einkauf und Sparziele als Planposten an und siehst im Vermögensverlauf, wie deine Vorsorge Jahr für Jahr wächst.
Wo die Lücke entsteht
Zwischen den rund 60 Prozent des letzten Lohns aus AHV und Pensionskasse und dem gewohnten Lebensstandard. Verschärft wird sie bei Teilzeit, nach Erwerbspausen und bei Selbstständigen ohne Pensionskasse.
Prüfen lässt sie sich in zwanzig Minuten: Vorsorgeausweis der Pensionskasse und AHV-Kontoauszug, beide kostenlos erhältlich. Zusammen ergeben sie ein realistisches Bild.
Die Säule 3a im Jahresablauf
Die Einzahlung muss bis zum 31. Dezember gutgeschrieben sein – nicht überwiesen, gutgeschrieben. Eine Zahlung am 30. Dezember kann am 2. Januar ankommen, und der Abzug für das alte Jahr ist verloren.
Rechnerisch besser ist ohnehin der Januar: Das Geld ist elf Monate länger investiert, und bei einer Wertschriftenlösung kauft ein monatlicher Dauerauftrag über das Jahr verteilt ein.
Der Pensionskassen-Einkauf und seine Frist
Freiwillige Einkäufe sind vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar. Das Potenzial steht auf dem Vorsorgeausweis und entsteht nach Lohnsprüngen, Erwerbspausen oder einem Zuzug aus dem Ausland.
Die Falle: Ein Kapitalbezug innert drei Jahren nach einem Einkauf macht dessen Steuerabzug rückwirkend zunichte.
