Die Grundformel: Soll minus Ist
Kurz: Jede Pensionskasse rechnet mit einem reglementarischen Soll-Guthaben – dem Betrag, den du heute hättest, wenn du seit dem Eintrittsalter ununterbrochen mit deinem heutigen versicherten Lohn versichert gewesen wärst. Fehlt dir etwas zu diesem Soll, weil du später angefangen, Teilzeit gearbeitet oder den Lohn erhöht hast, darfst du die Lücke freiwillig einkaufen.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Reglementarisches Soll-Guthaben mit 45 | CHF 380’000 |
| Vorhandenes Altersguthaben | − CHF 290’000 |
| Nicht eingebrachtes Freizügigkeitskonto | − CHF 15’000 |
| Maximal möglicher Einkauf | CHF 75’000 |
Die Zahl auf dem jährlichen Vorsorgeausweis heisst meist «mögliche Einkaufssumme» oder «maximaler Einkauf». Sie ist eine Momentaufnahme: Mit jeder Lohnerhöhung steigt das Soll, mit jedem Beitragsjahr das Ist.
Was vom Potenzial abgezogen wird
Die Verordnung zur beruflichen Vorsorge (BVV 2) verlangt drei Anrechnungen, die auf dem Ausweis oft fehlen, weil die Kasse sie nicht kennt. Erstens: Freizügigkeitsguthaben, die du nicht in die heutige Kasse eingebracht hast, werden voll abgezogen (Art. 60a Abs. 3 BVV 2). Zweitens: Säule-3a-Guthaben, die über der Summe der jährlichen Arbeitnehmer-Höchstbeträge samt Zins liegen, werden ebenfalls abgezogen (Art. 60a Abs. 2 BVV 2).
Das betrifft vor allem frühere Selbstständige, die ohne Pensionskasse bis CHF 36’288 pro Jahr in die «grosse» 3a einzahlen durften. Drittens: Ein noch nicht zurückbezahlter Vorbezug für Wohneigentum sperrt freiwillige Einkäufe ganz, bis er zurückbezahlt ist (Art. 79b Abs. 3 BVG).
- Freizügigkeitskonten und -policen: voll anrechnen
- 3a-Guthaben über dem Arbeitnehmer-Maximum: anrechnen
- WEF-Vorbezug offen: erst zurückzahlen, dann einkaufen
Zuzug aus dem Ausland: die 20-Prozent-Grenze
Wer aus dem Ausland zuzieht und noch nie einer Schweizer Pensionskasse angehört hat, darf in den ersten 5 Jahren jährlich höchstens 20 Prozent des versicherten Lohns einkaufen (Art. 60b BVV 2). Bei einem versicherten Lohn von CHF 100’000 sind das CHF 20’000 pro Jahr, auch wenn das rechnerische Potenzial viel höher liegt.
Nach Ablauf der fünf Jahre gilt die normale Grenze. Wer die Begrenzung nicht kennt und zu viel einzahlt, riskiert, dass der Steuerabzug für den überschiessenden Teil verweigert wird. Die Kasse fragt beim Einkaufsformular deshalb ausdrücklich nach dem Zuzugsdatum.
Die Obergrenze beim Lohn
In der beruflichen Vorsorge lässt sich höchstens das Zehnfache des oberen BVG-Grenzbetrags versichern, aktuell CHF 907’200 pro Jahr (Art. 79c BVG). Für die meisten Haushalte spielt diese Grenze keine Rolle; bei sehr hohen Löhnen begrenzt sie das Soll-Guthaben und damit auch den Einkauf.
Wichtiger im Alltag sind Teilzeit und mehrere Arbeitgeber: Der versicherte Lohn hängt vom Koordinationsabzug ab, den manche Kassen bei Teilzeit anteilig senken. Ein tieferer Abzug erhöht den versicherten Lohn – und damit das Einkaufspotenzial. Beim Stellenwechsel wird das Potenzial nach dem Reglement der neuen Kasse neu berechnet und kann deutlich anders ausfallen.
Wie viel sich steuerlich lohnt
Ein Einkauf ist im Einzahlungsjahr vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar (Art. 33 Abs. 1 lit. d DBG). Bei einem Grenzsteuersatz von rund 30 Prozent spart ein Einkauf von CHF 30’000 etwa CHF 9’000 Steuern. Weil der Grenzsteuersatz mit tieferem Einkommen sinkt, ist es oft günstiger, einen grossen Einkauf auf mehrere Jahre zu verteilen, statt ihn in einem Jahr zu machen.
Zwei Fallen sind teuer: Die eingekauften Mittel dürfen während 3 Jahren nicht als Kapital bezogen werden, auch nicht als WEF-Vorbezug – sonst rechnen die Steuerbehörden den Abzug wieder auf. Und der Einkauf muss im Kalenderjahr auf dem Konto der Kasse eintreffen; eine Zahlung am 30. Dezember mit Valuta im Januar zählt für das Folgejahr.
So kommst du zur verbindlichen Zahl
Verbindlich ist nicht der Ausweis, sondern die schriftliche Einkaufsberechnung der Kasse. Fordere sie mit dem Einkaufsformular an und beantworte darin vollständig die Fragen zu Freizügigkeitsguthaben, 3a-Konten aus selbstständiger Tätigkeit, Zuzug aus dem Ausland und Wohneigentumsvorbezügen. Erst dann stimmt die Zahl, die du abziehen darfst.
Plane den Einkauf im Budget wie eine Anschaffung: als Sparziel mit Monatsrate, damit im Dezember nicht das Konto leer ist. Wer parallel die Säule 3a nutzt, rechnet zuerst die 3a voll aus (ab 2027 CHF 7’373), weil sie flexibler ist, und kauft danach in die Pensionskasse ein.
In BudgetHub legst du 3a-Dauerauftrag, PK-Einkauf und Sparziele als Planposten an und siehst im Vermögensverlauf, wie deine Vorsorge Jahr für Jahr wächst.
Der Koordinationsabzug bei Teilzeit
Die Pensionskasse versichert nur den Lohnteil über dem Koordinationsabzug – und der ist ein fixer Betrag. Bei kleinem Pensum frisst er einen viel grösseren Anteil weg als bei einem vollen.
Prüfenswert ist, ob die eigene Kasse den Abzug anteilig zum Pensum kürzt. Immer mehr tun das, und der Unterschied ist über eine Erwerbsbiografie erheblich.
AHV-Lücken früh erkennen
Jedes fehlende Beitragsjahr kürzt die Rente um rund 2,3 Prozent, dauerhaft. Nachzahlen lässt sich nur fünf Jahre rückwirkend – wer eine ältere Lücke entdeckt, kann nichts mehr tun.
Der Kontoauszug ist bei der Ausgleichskasse kostenlos erhältlich. Ihn alle fünf Jahre zu prüfen ist kein willkürlicher Rhythmus, sondern genau die Frist, innerhalb derer eine Lücke noch schliessbar ist.
Die grosse Säule 3a für Selbstständige
Wer keiner Pensionskasse angehört, darf 20 Prozent des Erwerbseinkommens einzahlen – bis zu einer deutlich höheren Obergrenze als bei Angestellten.
Das ist bei Selbstständigen oft das wichtigste Vorsorgeinstrument überhaupt, weil die zweite Säule fehlt.
