Warum es den Ordner braucht
Kurz: Im Notfall fehlt Angehörigen selten der Wille, sondern die Information. Welche Bank, welche Versicherungen, welche Daueraufträge, wer hat welche Vollmacht? Ohne Übersicht dauert es Wochen, bis Rechnungen bezahlt und Konten geklärt sind – und in dieser Zeit laufen Miete, Krankenkasse und Leasing weiter.
Ein Notfallordner beantwortet diese Fragen an einem Ort. Er ersetzt weder Testament noch Vorsorgeauftrag, aber er sagt, wo sie liegen und wer was tun darf.
Die Checkliste
Diese Dokumente und Angaben gehören hinein, jeweils mit Ablageort des Originals:
- Kontaktliste: Familie, Hausärztin, Arbeitgeber, Vermieter, Treuhand
- Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung
- Bankvollmachten, die über den Tod hinaus gelten
- Übersicht aller Konten, Depots, 3a- und Freizügigkeitskonten
- Versicherungen mit Policennummern: Krankenkasse, Leben, Hausrat, Haftpflicht, Auto
- Daueraufträge und Abos, die gekündigt werden müssen
- Ort des Testaments oder Erbvertrags
- Zugang zu Passwortmanager oder Hinweis, wer ihn öffnen kann
Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung
Mit einem Vorsorgeauftrag bestimmst du, wer dich vertritt, wenn du urteilsunfähig wirst – bei Finanzen, Verträgen und im Alltag. Er muss vollständig von Hand geschrieben, datiert und unterschrieben oder öffentlich beurkundet sein. Ohne ihn entscheidet im Ernstfall die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, wer zuständig ist. Wie du ihn aufsetzt, erklärt Vorsorgeauftrag erstellen.
Die Patientenverfügung regelt medizinische Entscheidungen und muss schriftlich, datiert und unterschrieben sein. Hinterlege bei beiden Dokumenten im Notfallordner, wo das Original liegt, und gib einer Vertrauensperson eine Kopie.
Konten und das Geld für die ersten Wochen
Nach einem Todesfall können Banken Einzelkonten sperren, bis die Erben feststehen. Rechnungen laufen trotzdem weiter. Ein gemeinsames Konto mit Einzelzeichnungsrecht oder eine Vollmacht über den Tod hinaus verhindert, dass die Familie in den ersten Wochen ohne Zugriff dasteht.
Ein Notbetrag von zum Beispiel 5’000 Franken auf einem solchen Konto deckt Miete, Krankenkasse und erste Ausgaben. Was eine Bestattung kostet, zeigt Kosten einer Bestattung.
Digital und auf Papier
Ein Ordner aus Papier hat einen Vorteil: Jeder findet ihn. Eine digitale Kopie in einem sicheren Speicher ist sinnvoll, ersetzt aber den Ordner nur, wenn die Angehörigen Zugang haben. Passwörter gehören nie offen in den Ordner – besser ein Passwortmanager mit Notfallzugang oder ein versiegelter Umschlag bei einer Vertrauensperson.
Aktualisiere den Ordner einmal im Jahr, etwa beim Jahreswechsel: neue Konten, gekündigte Versicherungen, geänderte Kontakte.
Wer den Ordner kennen muss
Ein Notfallordner nützt nur, wenn jemand davon weiss. Informiere mindestens eine Vertrauensperson – Partnerin, erwachsenes Kind, Geschwister –, wo der Ordner liegt und wie man ihn öffnet. Bei Paaren gehört in den Ordner beider Personen dieselbe Übersicht, damit im Ernstfall nichts doppelt gesucht werden muss.
Wer allein lebt, kann den Ordner zusätzlich bei einer Vertrauensperson oder Notarin hinterlegen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde sowie viele Gemeinden bieten an, den Hinterlegungsort eines Vorsorgeauftrags zu registrieren.
Die Finanzübersicht als Herzstück
Das Wertvollste im Ordner ist eine aktuelle Übersicht über Einnahmen, Fixkosten und Konten. In BudgetHub hast du sie ohnehin – exportiere sie einmal im Jahr als PDF oder CSV und lege sie in den Ordner. Wer die Finanzen eines Elternteils mitverwaltet, führt dafür einen eigenen Hub und teilt ihn mit den Geschwistern.
