Neu: Steuerdossier – Steuererklärung vorbereiten. Mehr erfahren →

Ordnung

Notfallordner erstellen: Checkliste für die Familie

Kurz beantwortet: Ein Notfallordner enthält alles, was Angehörige bei Unfall, Krankheit oder Tod sofort brauchen: Kontaktliste, Vollmachten, Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung, Konten- und Versicherungsübersicht und den Ort des Testaments. Weil Banken Einzelkonten nach einem Todesfall sperren können, lohnt sich zusätzlich ein gemeinsamer Notbetrag von zum Beispiel CHF 5’000.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Oktober 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Warum es den Ordner braucht

Kurz: Im Notfall fehlt Angehörigen selten der Wille, sondern die Information. Welche Bank, welche Versicherungen, welche Daueraufträge, wer hat welche Vollmacht? Ohne Übersicht dauert es Wochen, bis Rechnungen bezahlt und Konten geklärt sind – und in dieser Zeit laufen Miete, Krankenkasse und Leasing weiter.

Ein Notfallordner beantwortet diese Fragen an einem Ort. Er ersetzt weder Testament noch Vorsorgeauftrag, aber er sagt, wo sie liegen und wer was tun darf.

Die Checkliste

Diese Dokumente und Angaben gehören hinein, jeweils mit Ablageort des Originals:

  • Kontaktliste: Familie, Hausärztin, Arbeitgeber, Vermieter, Treuhand
  • Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung
  • Bankvollmachten, die über den Tod hinaus gelten
  • Übersicht aller Konten, Depots, 3a- und Freizügigkeitskonten
  • Versicherungen mit Policennummern: Krankenkasse, Leben, Hausrat, Haftpflicht, Auto
  • Daueraufträge und Abos, die gekündigt werden müssen
  • Ort des Testaments oder Erbvertrags
  • Zugang zu Passwortmanager oder Hinweis, wer ihn öffnen kann

Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung

Mit einem Vorsorgeauftrag bestimmst du, wer dich vertritt, wenn du urteilsunfähig wirst – bei Finanzen, Verträgen und im Alltag. Er muss vollständig von Hand geschrieben, datiert und unterschrieben oder öffentlich beurkundet sein. Ohne ihn entscheidet im Ernstfall die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, wer zuständig ist. Wie du ihn aufsetzt, erklärt Vorsorgeauftrag erstellen.

Die Patientenverfügung regelt medizinische Entscheidungen und muss schriftlich, datiert und unterschrieben sein. Hinterlege bei beiden Dokumenten im Notfallordner, wo das Original liegt, und gib einer Vertrauensperson eine Kopie.

Konten und das Geld für die ersten Wochen

Nach einem Todesfall können Banken Einzelkonten sperren, bis die Erben feststehen. Rechnungen laufen trotzdem weiter. Ein gemeinsames Konto mit Einzelzeichnungsrecht oder eine Vollmacht über den Tod hinaus verhindert, dass die Familie in den ersten Wochen ohne Zugriff dasteht.

Ein Notbetrag von zum Beispiel 5’000 Franken auf einem solchen Konto deckt Miete, Krankenkasse und erste Ausgaben. Was eine Bestattung kostet, zeigt Kosten einer Bestattung.

Digital und auf Papier

Ein Ordner aus Papier hat einen Vorteil: Jeder findet ihn. Eine digitale Kopie in einem sicheren Speicher ist sinnvoll, ersetzt aber den Ordner nur, wenn die Angehörigen Zugang haben. Passwörter gehören nie offen in den Ordner – besser ein Passwortmanager mit Notfallzugang oder ein versiegelter Umschlag bei einer Vertrauensperson.

Aktualisiere den Ordner einmal im Jahr, etwa beim Jahreswechsel: neue Konten, gekündigte Versicherungen, geänderte Kontakte.

Wer den Ordner kennen muss

Ein Notfallordner nützt nur, wenn jemand davon weiss. Informiere mindestens eine Vertrauensperson – Partnerin, erwachsenes Kind, Geschwister –, wo der Ordner liegt und wie man ihn öffnet. Bei Paaren gehört in den Ordner beider Personen dieselbe Übersicht, damit im Ernstfall nichts doppelt gesucht werden muss.

Wer allein lebt, kann den Ordner zusätzlich bei einer Vertrauensperson oder Notarin hinterlegen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde sowie viele Gemeinden bieten an, den Hinterlegungsort eines Vorsorgeauftrags zu registrieren.

Die Finanzübersicht als Herzstück

Das Wertvollste im Ordner ist eine aktuelle Übersicht über Einnahmen, Fixkosten und Konten. In BudgetHub hast du sie ohnehin – exportiere sie einmal im Jahr als PDF oder CSV und lege sie in den Ordner. Wer die Finanzen eines Elternteils mitverwaltet, führt dafür einen eigenen Hub und teilt ihn mit den Geschwistern.

Häufige Fragen

Was gehört in einen Notfallordner?+

Kontaktliste, Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung, Bankvollmachten, Konten- und Versicherungsübersicht, Daueraufträge, Ort des Testaments und ein Hinweis zu Passwörtern.

Muss ein Vorsorgeauftrag von Hand geschrieben sein?+

Ja, vollständig von Hand geschrieben, datiert und unterschrieben – oder öffentlich beurkundet. Sonst ist er nicht gültig.

Sperrt die Bank das Konto nach einem Todesfall?+

Einzelkonten können gesperrt werden, bis die Erben feststehen. Gemeinsame Konten oder Vollmachten über den Tod hinaus helfen, die ersten Wochen zu überbrücken.

Gehören Passwörter in den Ordner?+

Nicht offen. Besser ein Passwortmanager mit Notfallzugang oder ein versiegelter Umschlag bei einer Vertrauensperson.

Wie oft sollte ich den Ordner aktualisieren?+

Einmal im Jahr, zum Beispiel beim Jahreswechsel, und bei jeder grösseren Veränderung wie Umzug, Heirat oder neuem Konto.

Ersetzt der Ordner ein Testament?+

Nein. Er sagt nur, wo das Testament liegt. Wer den Nachlass regeln will, braucht ein gültiges Testament oder einen Erbvertrag.

Wo bewahre ich den Notfallordner auf?+

An einem Ort, den die Vertrauenspersonen kennen und erreichen – zu Hause in einem Schrank, nicht im Bankschliessfach, das nach einem Todesfall gesperrt sein kann.

Ein Budget, das die ganze Familie abbildet

Familienausgaben verteilen sich auf mehrere Personen und mehrere Konten. Genau dort entsteht der Überblick, den einzelne Kontoauszüge nicht geben.