Warum bei Kindern die tiefste Franchise meist richtig ist
Bei Erwachsenen lautet die Regel: gesund heisst hohe Franchise. Bei Kindern ist es umgekehrt, und zwar aus zwei Gründen. Erstens gehen Kinder häufiger zum Arzt, als Eltern erwarten – Infekte, Unfälle, Kontrollen summieren sich. Zweitens ist der Prämienrabatt für höhere Kinderfranchisen im Verhältnis klein.
Der Selbstbehalt bei Kindern ist zudem gedeckelt bei CHF 350 pro Jahr, halb so hoch wie bei Erwachsenen. Das begrenzt das Risiko nach oben – aber es ändert nichts daran, dass eine hohe Kinderfranchise selten aufgeht.
Die Mengenrabatte sind der eigentliche Hebel
Viele Kassen gewähren ab dem zweiten oder dritten Kind Rabatte, teilweise ist das dritte Kind prämienfrei. Diese Staffelung ist von Kasse zu Kasse verschieden und im Prämienvergleich nicht immer auf den ersten Blick sichtbar.
Daraus folgt eine Rechnung, die viele Familien nicht machen: Die Kasse mit der günstigsten Erwachsenenprämie ist bei drei Kindern nicht zwingend die günstigste insgesamt. Vergleiche die Summe für den ganzen Haushalt, nicht die Einzelprämien nebeneinander.
Prämienverbilligung für Kinder wird am häufigsten übersehen
Mehrere Kantone verbilligen Kinder- und Jugendprämien deutlich stärker als Erwachsenenprämien, teilweise auch bei mittleren Einkommen, bei denen Eltern gar keinen Antrag mehr erwarten. Genau darum bleibt hier am meisten liegen.
Für das Budget heisst das: Die Krankenkasse ist bei einer Familie mit zwei oder drei Kindern schnell der zweitgrösste Fixkostenblock nach der Miete. Ein Posten dieser Grösse verdient eine jährliche Überprüfung, nicht eine einmalige Entscheidung bei der Geburt.
Trag die neue Prämie in BudgetHub ein, sobald der Brief da ist – du siehst sofort, was sie im Monatsbudget verdrängt, und kannst gegensteuern, bevor die Frist abläuft.
Der Jahresrhythmus im Überblick
Ende September publiziert das BAG die Prämien, im Oktober kommt der Brief der Kasse, am 30. November muss eine Kündigung eingetroffen sein. Franchise senken bis Ende November, erhöhen bei den meisten Kassen bis Ende Dezember.
Diese vier Termine entscheiden über mehrere hundert Franken im Jahr. Keiner davon wird erstreckt, und keiner meldet sich von selbst.
Die Franchise passend zum Profil
Die höchste Franchise lohnt sich, wenn die jährlichen Gesundheitskosten unter dem Break-Even liegen – meist bei rund CHF 1'800 bis 2'200. Die beste Grundlage sind die tatsächlichen Kosten der letzten drei Jahre.
Bei Kindern gilt das Gegenteil: Es gibt keine Mindestfranchise, und der Prämienrabatt für höhere Stufen fällt im Verhältnis klein aus. Für Kinder ist die tiefste Franchise fast immer richtig.
Was bei Prämienschulden passiert
Offene, gemahnte Prämien blockieren einen Kassenwechsel – die Kündigung bleibt dann wirkungslos. Nach Betreibung kann der Kanton zudem eine Leistungssperre veranlassen.
Vor Fristablauf mit der Kasse eine Ratenvereinbarung suchen. Das ist fast immer möglich und verhindert beides.
