Grundlagen

Inflation & Kaufkraft verstehen

Kurz beantwortet: Bei 1,5 % Teuerung verliert Geld in zehn Jahren rund 14 % an Kaufkraft – aus CHF 10'000 werden real etwa CHF 8'600 von heute. Für kurzfristige Reserven ist das kein Problem, für langfristig liegendes Kontogeld schon.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Januar 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Was Inflation bedeutet

Inflation ist der allgemeine Preisanstieg: Für denselben Warenkorb zahlst du nächstes Jahr mehr. Deine Kaufkraft sinkt, wenn Löhne nicht mitwachsen.

Wirkung über Zeit

Schon 2% pro Jahr summieren sich spürbar. Was heute CHF 1'000 kostet, kostet in 10 Jahren bei 2% rund CHF 1'219. Spiel es mit dem Inflationsrechner durch.

Konsequenz fürs Sparen

Geld auf dem Konto verliert real an Wert. Langfristige Ziele sollten die Teuerung einkalkulieren.

In BudgetHub baust du das in einer Stunde auf und brauchst danach zehn Minuten im Monat – der Aufwand liegt am Anfang, nicht im Unterhalt.

Die Schweizer Besonderheit

Die Teuerung ist hier historisch tief, oft deutlich unter 2 %. Der Landesindex der Konsumentenpreise bildet aber nicht alles ab, was Haushalte belastet: Krankenkassenprämien sind nicht Teil des Warenkorbs, obwohl sie für viele der spürbarste Kostentreiber der letzten Jahre waren.

Die persönliche Teuerung kann deshalb deutlich über der offiziellen liegen – besonders bei Haushalten mit hohem Anteil an Wohn- und Gesundheitskosten.

Was bei Renten passiert

Die AHV wird periodisch an Löhne und Preise angepasst, Pensionskassenrenten in der Regel nicht. Eine PK-Rente von CHF 3'000 hat nach zwanzig Jahren bei 1,5 Prozent Teuerung noch rund CHF 2'230 heutiger Kaufkraft.

Das ist einer der stärksten Gründe, die Altersvorsorge nicht ausschliesslich auf feste Renten zu stützen – und ein Argument für den Kapitalbezug bei entsprechender Anlagedisziplin.

Der praktische Umgang

Kurzfristige Reserven bleiben auf dem Konto; dort zählt Verfügbarkeit. Für Beträge mit einem Horizont über zehn Jahre wird die reale Wertentwicklung zum Hauptkriterium.

Bei Sparzielen mit festem Termin gehört die Teuerung eingerechnet: CHF 50'000 heute entsprechen bei 1,5 Prozent in zehn Jahren rund CHF 58'000.

Der Abgleich mit der Realität

Der grösste Unsicherheitsfaktor ist hier nicht der Betrag, sondern die Laufzeit. Eine Berechnung über zwanzig Jahre reagiert auf eine Änderung des Zinssatzes um einen Prozentpunkt stärker als auf eine um zehn Prozent höhere Sparrate – deshalb lohnt es sich, beide Grössen einzeln zu variieren statt eine einzige Zahl zu glauben.

Zweite Fehlerquelle sind Beiträge, die als konstant angenommen werden, es aber nicht sind: Lohnentwicklung, Pensumsänderungen und Erwerbsunterbrüche verschieben das Ergebnis deutlich. Rechne deshalb eine pessimistische Variante mit – sie ist die planungsrelevantere.

Warum Mieten anders reagieren

Bestandsmieten sind in der Schweiz an den Referenzzinssatz und nur teilweise an die Teuerung gekoppelt – überwälzbar sind höchstens 40 Prozent des Renchérissements.

Das ist ein bedeutender Unterschied zu Ländern mit indexierten Mieten: Bei steigender Teuerung wächst die Schweizer Bestandsmiete deutlich langsamer als das allgemeine Preisniveau.

Warum der Landesindex nicht dein Index ist

Der Landesindex der Konsumentenpreise misst einen Durchschnittswarenkorb. Dein Warenkorb sieht anders aus – und ausgerechnet der grösste Posten vieler Haushalte ist darin nur teilweise enthalten: Die Krankenkassenprämien fliessen nicht in den Index ein, weil sie als Transferzahlung gelten.

Genau diese Prämien sind über die letzten Jahre deutlich stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung. Ein Haushalt kann deshalb bei einer ausgewiesenen Inflation von einem Prozent real spürbar verlieren – die Zahl in den Nachrichten und die Zahl auf dem Konto sind zwei verschiedene Dinge.

Wie du deine eigene Teuerung misst

Nimm die Jahressummen deiner fünf grössten Kategorien aus dem Vorjahr und stelle sie den aktuellen gegenüber. Das ist die einzige Teuerungsrate, die für deine Planung zählt – und sie ist mit einem geführten Budget in fünf Minuten ermittelt.

Für die Lohnverhandlung ist diese Zahl brauchbarer als jeder Indexwert: Wer belegen kann, dass die eigenen Fixkosten um vier Prozent gestiegen sind, argumentiert konkreter als mit dem Landesindex. Und für die Vorsorgeplanung gilt: Über 30 Jahre halbiert schon eine Teuerung von zwei Prozent die Kaufkraft eines nominal gleichbleibenden Betrags.

Häufige Fragen

Wie schütze ich mich vor Inflation?+

Halte nur den Notgroschen liquide; langfristiges Sparen sollte die Teuerung berücksichtigen.

Wie hoch ist die Teuerung in der Schweiz?+

Historisch tief, meist deutlich unter 2 % pro Jahr. Massgebend ist der Landesindex der Konsumentenpreise des Bundesamts für Statistik.

Sind Krankenkassenprämien in der Teuerung enthalten?+

Nein, sie sind nicht Teil des Warenkorbs im Landesindex. Deshalb kann die persönlich empfundene Teuerung deutlich über der offiziellen liegen.

Soll ich wegen der Inflation anders sparen?+

Für kurzfristige Reserven nicht – dort zählt Verfügbarkeit. Bei Beträgen mit einem Horizont über zehn Jahren wird die Frage relevant, ob sie real Ertrag erwirtschaften sollten.

Wie berechne ich den realen Wert?+

Betrag geteilt durch den Faktor aus Teuerungsrate und Jahren. Bei 1,5 % über zehn Jahre entspricht CHF 10'000 heutiger Kaufkraft von rund CHF 8'600.

Werden Pensionskassenrenten der Teuerung angepasst?+

In der Regel nicht. Eine Rente von CHF 3'000 hat nach zwanzig Jahren bei 1,5 Prozent Teuerung noch rund CHF 2'230 heutiger Kaufkraft.

Warum weicht mein tatsächlicher Wert ab?+

Meist wegen vergessener Rückstellungen für Steuern, Zahnarzt oder Selbstbehalt. Sie fallen jährlich an und fehlen in der Monatsbetrachtung.

Wie oft soll ich nachrechnen?+

Einmal jährlich und nach jeder wesentlichen Veränderung – Umzug, Pensumsänderung, Familienzuwachs oder Lohnerhöhung.

Warum spüre ich mehr Teuerung, als offiziell ausgewiesen wird?+

Weil der Landesindex einen Durchschnittswarenkorb misst und die Krankenkassenprämien nicht enthält – sie gelten als Transferzahlung. Wer überdurchschnittlich viel für Prämien und Wohnen aufwendet, erlebt eine höhere persönliche Teuerung als die ausgewiesene.

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