Methoden

Die 50/30/20-Methode im Detail

Kurz beantwortet: 50 % des Nettoeinkommens für Notwendiges, 30 % für Wünsche, 20 % fürs Sparen. Bei CHF 6'000 netto sind das CHF 3'000, CHF 1'800 und CHF 1'200. In der Schweiz reichen 50 % wegen Miete und Krankenkasse oft nicht – 60/25/15 ist realistischer.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Januar 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Die Aufteilung

50% für Bedürfnisse (Miete, Krankenkasse, Lebensmittel), 30% für Wünsche, 20% fürs Sparen und Schuldenabbau – jeweils vom Netto-Einkommen.

Anpassung an die Schweiz

In Hochpreisregionen wie Zürich oder Genf kippt das Verhältnis schnell – oft sind 60/20/20 realistischer. Nutze die Regel als Startpunkt, nicht als Dogma.

Umsetzen

Rechne deine Anteile mit dem Budgetrechner und behalte den Sparanteil fest im Blick.

In BudgetHub lässt sich diese Methode direkt abbilden – mit Kategorien, Budgets und einer Monatsvorschau, die zeigt, ob sie im Alltag durchhält.

Was die Regel leistet und was nicht

Sie ist eine Orientierung für den Einstieg, kein Massstab für die eigene Leistung. Wer in Zürich wohnt und 62 % für Fixkosten braucht, macht nichts falsch – die Mieten sind schlicht höher als in der Region, für die die Regel ursprünglich formuliert wurde.

Nützlich ist sie als Warnsignal: Wenn die Fixkosten über 65 % steigen, wird das Budget anfällig für jede unerwartete Ausgabe. Dann ist nicht mehr Sparsamkeit gefragt, sondern eine strukturelle Veränderung bei Wohnen oder Einkommen.

Die Zuordnung ist der schwierige Teil

Ist das Handyabo notwendig oder Wunsch? Ist das ÖV-Abo für den Arbeitsweg notwendig, das für die Freizeit nicht? Die Regel gibt darauf keine Antwort, und genau daran scheitert die Anwendung.

Eine brauchbare Abgrenzung: Notwendig ist, was bei Wegfall eine existenzielle oder berufliche Folge hätte. Alles andere ist Wunsch – auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Was die Regel gut kann

Sie liefert in fünf Minuten eine erste Standortbestimmung, ohne Kategorienarbeit. Für den Einstieg ist das mehr wert als ein perfektes System, das nie begonnen wird.

Und sie ist ein Warnsignal: Steigen die Fixkosten über 65 Prozent, hilft keine Sparsamkeit mehr, sondern nur eine Veränderung bei Wohnen oder Einkommen.

Warum ein Rechner nur ein Ausgangspunkt ist

Die Rechnung nimmt an, dass die eingegebenen Werte stabil bleiben. In der Praxis ändern sie sich – manche jährlich, manche mit jedem Lebensabschnitt.

Das Ergebnis ist deshalb ein Ausgangspunkt und kein Endstand. Wiederhole die Rechnung, wenn sich etwas Wesentliches ändert, statt sie einmal zu machen und abzulegen.

Die Regel bei tiefem Einkommen

Sie funktioniert dort am schlechtesten. Wenn Miete und Krankenkasse allein 50 Prozent ausmachen, bleibt für Wünsche und Sparen zusammen die andere Hälfte – die Aufteilung 30/20 ist dann rechnerisch unmöglich.

Sinnvoller ist in diesem Fall eine umgekehrte Rechnung: zuerst einen realistischen Sparbetrag festlegen, und sei er klein, dann den Rest verteilen. Das erhält den Vermögensaufbau, statt ihn zur Restgrösse zu machen.

Warum die Regel hier nicht direkt anwendbar ist

Die Regel stammt aus den USA, wo Steuern an der Quelle abgezogen werden und die Krankenversicherung meist über den Arbeitgeber läuft. Beides ist in der Schweiz anders: Die Steuerrechnung kommt separat, und die Prämie ist eine private Rechnung pro Person.

Rechnet man beides zu den «Bedürfnissen», sprengt der 50-Prozent-Anteil bei mittleren Einkommen regelmässig. Ein Beispiel: CHF 6'000 netto, davon CHF 1'800 Miete, CHF 450 Prämie und CHF 800 Steuerrückstellung – das sind CHF 3'050 allein für drei Posten, also bereits über 50 Prozent, bevor Lebensmittel oder Mobilität dazukommen.

Die Schweizer Anpassung

Praktikabel ist eine Aufteilung von rund 60-20-20: 60 Prozent für Fixkosten und Notwendiges inklusive Prämie und Steuerrückstellung, 20 Prozent für Wünsche, 20 Prozent für Sparen und Vorsorge. Wer bei den Wohnkosten unter dem Richtwert von 33 Prozent liegt, kommt der ursprünglichen Regel näher.

Wichtiger als die exakte Aufteilung ist die Reihenfolge: Der Sparanteil wird am Zahltag abgezogen, nicht am Monatsende von dem, was übrig bleibt. Die Regel funktioniert als Zielvorgabe, nicht als Nachkalkulation – ihr Wert liegt darin, dass sie eine Zahl liefert, gegen die man den eigenen Ist-Zustand halten kann.

Häufige Fragen

Was zählt zu den 50% Bedürfnissen?+

Alles Lebensnotwendige: Miete, Krankenkasse, Strom, Grundnahrungsmittel und Mobilität zur Arbeit.

Funktioniert 50/30/20 in der Schweiz?+

Als Orientierung ja, als Vorgabe selten. Wegen Miete und Krankenkasse liegen die Fixkosten oft bei 55 bis 60 % – eine Aufteilung von 60/25/15 ist realistischer.

Was zählt zu den 30 Prozent Wünsche?+

Alles, was ohne existenzielle Folge wegfallen könnte: Restaurant, Freizeit, Streaming, Kleider über den Bedarf hinaus, Ferien.

Ab wann sind die Fixkosten zu hoch?+

Über 65 % des Nettoeinkommens wird das Budget anfällig für jede unerwartete Ausgabe. Dann hilft keine Sparsamkeit mehr, sondern nur eine Veränderung bei Wohnen oder Einkommen.

Wie unterscheide ich Notwendiges von Wünschen?+

Notwendig ist, was bei Wegfall eine existenzielle oder berufliche Folge hätte. Alles andere ist Wunsch – auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Wie genau ist das Ergebnis?+

Es ist eine Grössenordnung auf Basis konstanter Annahmen. Brauchbar wird es im Abgleich mit deinen tatsächlichen Zahlen der letzten zwölf Monate.

Was mache ich mit dem Ergebnis?+

Den errechneten Betrag als Dauerauftrag am Tag des Lohneingangs einrichten. Ein Ergebnis, das nicht in eine Handlung mündet, verändert nichts.

Funktioniert die 50-30-20-Regel in der Schweiz?+

Nicht unverändert. Weil Steuern und Krankenkassenprämie hier separat anfallen, sprengt der 50-Prozent-Anteil bei mittleren Einkommen regelmässig. Praktikabel ist eher 60-20-20 – entscheidend bleibt, dass der Sparanteil am Zahltag abgeht und nicht vom Rest abhängt.

Setz es direkt um

Erstelle dein Budget in BudgetHub – kostenlos, ohne Kreditkarte und ohne Bankverknüpfung.