Was die ESTV-Statistik misst
Kurz: Die Kantone melden der ESTV jedes Jahr das Reinvermögen aller Steuerpflichtigen – Vermögen minus Schulden, wie es in der Steuererklärung steht. Die aktuellste Auswertung (publiziert Oktober 2025) betrifft das Steuerjahr 2022. Das durchschnittliche Reinvermögen je steuerpflichtige Person sank darin gegenüber dem Vorjahr von CHF 467’000 auf CHF 441’000.
Vier Eigenheiten muss man kennen, um die Zahl richtig zu lesen: Erstens fehlen die Guthaben der Pensionskasse und der Säule 3a, weil sie nicht vermögenssteuerpflichtig sind. Zweitens zählen Ehepaare als eine Steuereinheit. Drittens werden negative Vermögen auf null gesetzt. Viertens liegen Steuerwerte von Liegenschaften meist unter dem Marktwert.
- Reinvermögen = Vermögen minus Schulden
- Ohne Pensionskasse und Säule 3a
- Ehepaare als eine Steuereinheit
- Liegenschaften zum (tieferen) Steuerwert
Warum der Durchschnitt in die Irre führt
Vermögen ist in der Schweiz stark konzentriert. Das oberste Prozent der Steuerpflichtigen hielt 2022 rund 45.8 % des gesamten Reinvermögens, der Gini-Koeffizient lag bei 0.823 (0 = völlig gleich verteilt, 1 = alles bei einer Person). Wenige sehr hohe Vermögen ziehen den Durchschnitt weit nach oben.
Deshalb liegt das typische Vermögen – der Wert, bei dem die eine Hälfte mehr und die andere weniger hat – weit unter dem Durchschnitt. Die ESTV veröffentlicht selbst keinen Median; Schätzungen auf Basis ihrer elf Vermögensklassen kommen auf einen Bruchteil des Durchschnitts. Ein grosser Teil der Steuerpflichtigen weist gar kein steuerbares Reinvermögen aus.
Gibt es Zahlen nach Alter?
Nicht amtlich und nicht schweizweit. Die Kantone liefern der ESTV nur klassierte Daten ohne Altersangaben, und die ESTV schliesst Auswertungen nach Altersklassen ausdrücklich aus. Einzelne Kantone haben in Studien mit eigenen Steuerdaten gezeigt, dass das Vermögen mit dem Alter steigt – besonders kurz vor und nach der Pensionierung, wenn Kapitalbezüge aus der Pensionskasse und Erbschaften sichtbar werden.
Tabellen mit «Durchschnittsvermögen mit 30, 40 oder 50» beruhen deshalb auf Modellen oder Umfragen. Sie können eine Orientierung geben, sollten aber nicht als amtliche Werte gelesen werden.
Was das für dich bedeutet
Der Vergleich mit dem Durchschnitt ist wenig hilfreich. Aussagekräftiger ist die eigene Entwicklung: Wächst dein Nettovermögen von Jahr zu Jahr? Steht ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben? Fliesst regelmässig etwas in die Vorsorge? Wer diese drei Fragen mit Ja beantwortet, ist auf einem guten Weg – unabhängig von jeder Statistik.
Für den eigenen Vergleich mit der ESTV gilt: Dein Nettovermögen ohne Säule 2 und 3a nehmen, bei Verheirateten das gemeinsame. Der Nettovermögen-Rechner zeigt beide Werte.
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Was den Wert nach oben treibt
Bei fast allen Haushaltsposten sind es dieselben drei Faktoren: Wohnregion, Haushaltsgrösse und ob externe Dienstleistungen genutzt werden. Städtische Zentren liegen bei praktisch jedem Posten über dem Landesdurchschnitt.
Der vierte Faktor ist die Lebensphase: Ein Haushalt mit Jugendlichen liegt bei Lebensmitteln, Mobilität und Freizeit deutlich über einem mit Kleinkindern.
