Das Musterbudget
Kurz: Aus CHF 8’000 brutto werden nach Sozialabzügen rund CHF 6’900 netto. Typische Verteilung: CHF 2’100 Wohnen inklusive Nebenkosten, CHF 550 Krankenkasse, CHF 1’000 Steuern, CHF 850 Lebensmittel, CHF 500 Mobilität. Rechnerisch bleiben rund CHF 1’900.
Rechnerisch. Die Erfahrung der Budgetberatungsstellen ist eine andere: Haushalte in dieser Einkommensklasse sparen häufig nicht proportional mehr als solche mit einem Drittel weniger Einkommen. Der Mechanismus dahinter ist gut untersucht und hat einen Namen.
- Wohnen: 22–28 % – wächst mit dem Einkommen mit
- Steuern: 8–15 %, Grenzsteuersatz deutlich höher
- Rechnerisch möglich: CHF 1’800–CHF 2’500 Sparquote
- Tatsächlich erreicht: bei vielen Haushalten deutlich weniger
Die eigentliche Frage: warum wächst der Lebensstandard mit?
Lebensstandard-Inflation beschreibt einen einfachen Vorgang: Steigt das Einkommen, steigen die Ausgaben mit – nicht durch eine bewusste Entscheidung, sondern durch eine Reihe einzeln vernünftiger Anpassungen. Die grössere Wohnung nach der Beförderung, das Auto statt des Abos, die Ferien eine Kategorie höher. Jede dieser Entscheidungen ist begründbar. Zusammen führen sie dazu, dass die Sparquote trotz höherem Einkommen konstant bleibt.
Der Gegenmechanismus ist unspektakulär: Bei jeder Lohnerhöhung einen festen Anteil – etwa die Hälfte – direkt auf ein Sparziel lenken, bevor er im Konto sichtbar wird. Was man nie zur Verfügung hatte, fehlt nicht. Das ist die einzige Massnahme, die in dieser Einkommensklasse zuverlässig wirkt, weil sie nicht auf Disziplin im Alltag setzt.
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- Wohnkosten sind der Posten, der bei Einkommenssprüngen am stärksten mitwächst
- Bei jeder Erhöhung die Hälfte direkt auf ein Sparziel lenken
- Automatisieren, bevor der Betrag im Konto sichtbar wird
- Was nie verfügbar war, wird nicht vermisst
Die Hebel, die es bei diesem Einkommen zusätzlich gibt
In dieser Klasse werden zwei Instrumente wirksam, die weiter unten kaum etwas bringen. Erstens der Pensionskasseneinkauf: Er ist vollständig abziehbar und wirkt am hohen Grenzsteuersatz. Zweitens die vollständige Ausschöpfung der Säule 3a, die bei tieferen Einkommen oft am fehlenden Spielraum scheitert.
Gleichzeitig entsteht ein Risiko, das weiter unten nicht existiert: Die Vorsorgelücke wird bei hohen Einkommen grösser, nicht kleiner. Die AHV ist nach oben gedeckelt – wer viel verdient, ersetzt im Alter einen kleineren Anteil seines Lohns. Wer bei diesem Einkommen nur AHV und Pensionskasse einplant, plant zu knapp.
- Pensionskasseneinkauf: abziehbar am hohen Grenzsteuersatz
- Säule 3a vollständig ausschöpfen – hier ist der Spielraum da
- AHV ist gedeckelt: Ersatzquote sinkt mit steigendem Lohn
- Vorsorgelücke wird bei hohem Einkommen grösser, nicht kleiner
Der Posten, der in dieser Klasse am stärksten unterschätzt wird
Die Steuerrechnung. Nicht weil sie überraschend käme, sondern weil sie in dieser Einkommensklasse eine Grössenordnung erreicht, die eine eigene Bewirtschaftung verlangt. Bei diesem Einkommen liegt sie je nach Wohnort im mittleren bis oberen vierstelligen Bereich pro Jahr – und die Progression sorgt dafür, dass sie nach einer Lohnerhöhung überproportional steigt.
Wer sie aus dem laufenden Konto bezahlt, bindet dafür mehrere Monatsersparnisse. Wer sie monatlich zurücklegt, merkt sie kaum. Der Unterschied zwischen beiden Vorgehensweisen ist der gesamte Betrag, aber die wahrgenommene Belastung ist eine völlig andere.
Ein zweiter, verwandter Punkt: Wer akonto zu tief eingeschätzt wird, zahlt am Ende nach – und in manchen Kantonen mit Verzugszins. Eine Anpassung der Akontorechnung nach einer Lohnerhöhung ist ein Anruf und verhindert die Nachzahlung im Folgejahr.
- Steuerrechnung erreicht hier eine eigene Grössenordnung
- Progression: nach einer Erhöhung steigt sie überproportional
- Monatlich zurücklegen statt aus dem laufenden Konto bezahlen
- Akontobetrag nach einer Lohnerhöhung anpassen lassen
Was den Wert nach oben treibt
Bei fast allen Haushaltsposten sind es dieselben drei Faktoren: Wohnregion, Haushaltsgrösse und ob externe Dienstleistungen genutzt werden. Städtische Zentren liegen bei praktisch jedem Posten über dem Landesdurchschnitt.
Der vierte Faktor ist die Lebensphase: Ein Haushalt mit Jugendlichen liegt bei Lebensmitteln, Mobilität und Freizeit deutlich über einem mit Kleinkindern.
