Die falsche und die richtige Frage
Die verbreitete Frage lautet: «Wie viel Jugendlohn ist angemessen?» Sie führt in die Irre und ist der häufigste Grund, warum das Modell scheitert. Der Jugendlohn ist kein grösseres Taschengeld, sondern eine Übergabe von Zuständigkeit: Ab jetzt bezahlen die Jugendlichen bestimmte Bereiche selbst.
Die richtige Frage lautet deshalb: «Welche Bereiche übergeben wir?» Der Betrag folgt daraus. Wer zuerst die Zahl festlegt und dann schaut, was davon bezahlt werden soll, hat die Reihenfolge umgedreht – und landet regelmässig bei Streit über Nachschüsse.
Welche Bereiche sich eignen
Verbreitet sind Kleider und Schuhe (rund CHF 90 im Monat), Freizeit und Ausgang (CHF 60), das Handy-Abo (CHF 25), Körperpflege und Coiffeur (CHF 30), ÖV und Mobilität (CHF 35) sowie auswärts essen (CHF 45). Nicht alle müssen auf einmal übergeben werden – schrittweise erweitern ist der Normalfall und meist der bessere Weg.
Ungeeignet sind Bereiche, bei denen ein Fehlentscheid ernsthafte Folgen hätte: Krankenkasse, Zahnarzt, Schulmaterial für den Pflichtunterricht. Der Jugendlohn soll Fehler erlauben, aber keine, die man nicht rückgängig machen kann.
Die drei Regeln, an denen das Modell steht oder fällt
Erstens: Der Betrag kommt zum festen Termin, auch wenn er längst aufgebraucht ist. Zweitens: Es wird nicht nachgeschossen – sonst lernt niemand etwas, und der Jugendlohn wird zum Vorschusssystem. Drittens: Was gekauft wird, entscheiden die Jugendlichen. Eltern dürfen ihre Meinung sagen, aber nicht bestimmen.
Die dritte Regel ist die schwierigste und die wichtigste. Ein Jugendlohn mit elterlichem Vetorecht ist kein Jugendlohn, sondern ein Budget mit zusätzlichen Schritten. Die Erfahrung, eine Fehlentscheidung selbst zu tragen, ist der ganze Punkt des Modells – und sie ist mit 14 deutlich billiger als mit 24.
Wann der Zeitpunkt stimmt
Üblich ist der Einstieg ab etwa zwölf Jahren, oft beim Übertritt in die Oberstufe. Entscheidender als das Alter ist aber, ob das Kind bereits Erfahrung mit Taschengeld hat und ein paar Wochen im Voraus planen kann. Wer direkt vom Nichts zum Jugendlohn springt, überfordert.
Ein guter Übergang: erst das Taschengeld auf monatliche Auszahlung umstellen, ein halbes Jahr laufen lassen, dann den ersten Bereich übergeben. Der Taschengeld-Rechner zeigt die Ausgangslage.
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Richtwert und eigene Lage
Ein Richtwert beschreibt den Durchschnitt, nicht deine Situation. Er ist brauchbar als Ausgangspunkt und wird erst durch den Abgleich mit deinen tatsächlichen Zahlen der letzten zwölf Monate aussagekräftig.
Wo dein Wert um mehr als zwanzig Prozent abweicht, gibt es dafür meist einen konkreten Grund – Wohnregion, Haushaltsgrösse oder eine Besonderheit deiner Lebenssituation. Diesen Grund zu kennen ist wertvoller als der Durchschnitt selbst.
