Budgetieren

Finanzieller Engpass: die ersten Schritte

Kurz beantwortet: Zuerst Übersicht schaffen, dann priorisieren, dann kommunizieren. Existenzsichernde Zahlungen – Miete, Krankenkasse, Strom – kommen vor allem anderen. Wer sich vor Fristablauf meldet, bekommt fast immer eine Ratenvereinbarung; wer wartet, zahlt CHF 20 bis 50 Mahngebühr pro Rechnung und danach Betreibungskosten.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Januar 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Überblick verschaffen

Liste alle Einnahmen, Fixkosten und offenen Rechnungen auf. Erst die ehrliche Übersicht zeigt den tatsächlichen Spielraum.

Ausgaben priorisieren

Zuerst Existenzielles: Miete, Krankenkasse, Strom, Essen. Bei Rechnungen früh das Gespräch suchen und Ratenzahlung vereinbaren.

Hilfe annehmen

Schuldenberatungsstellen in der Schweiz beraten kostenlos. Je früher, desto besser – das ist keine Schwäche, sondern klug.

In BudgetHub siehst du schwarz auf weiss, wie viel nach allen Fixkosten monatlich frei bleibt – die Zahl, auf der jeder Abbauplan aufbaut.

Die Reihenfolge in der ersten Woche

Sie ist wichtiger als jede Sparmassnahme:

  • Alle offenen Beträge mit Fälligkeit auf eine Liste – die Summe ist fast immer kleiner als das Gefühl.
  • Existenzsichernde Zahlungen zuerst: Miete, Krankenkasse, Strom, Lebensmittel.
  • Bei allen übrigen Gläubigern vor Fristablauf melden und Raten vereinbaren.
  • Prämienverbilligung neu prüfen und laufende Abos sistieren.
  • Keine neuen Kredite aufnehmen, um alte zu bedienen.

Wann Hilfe der richtige Schritt ist

Wenn die Mindestzahlungen zusammen das verfügbare Einkommen übersteigen, ist es kein Organisationsproblem mehr. Die anerkannten Budget- und Schuldenberatungsstellen beraten kostenlos und vertraulich – eine Übersicht gibt es unter Fachstellen.

Wie viel Aufwand nötig ist

Zehn Minuten pro Woche für die Erfassung und zwanzig Minuten am Monatsende für den Abgleich. Mehr Aufwand führt erfahrungsgemäss zum Abbruch, weniger zu Daten ohne Erkenntnis.

Der Monatsabgleich ist dabei der Teil, der wirkt. Wer nur erfasst und nie auswertet, hat Aufwand ohne Ertrag – das ist der häufigste Grund für Abbrüche nach sechs Wochen.

Warum Kategorien zusammengehören

Zehn bis fünfzehn Kategorien sind das Optimum. Weniger verdeckt, wo das Geld hingeht; mehr macht die Zuordnung zur Last – und ein Budget, das Aufwand macht, wird nach zwei Monaten liegen gelassen.

Kategorien mit unter CHF 30 im Monat gehören zusammengelegt, solche über zwanzig Prozent des Budgets aufgeteilt. «Freizeit» mit CHF 600 sagt wenig; «Restaurant» und «Hobby» getrennt zeigen, wo der Betrag entsteht.

Der 13. Monatslohn im Jahresbudget

Wer mit zwölf gleichen Monatslöhnen rechnet, hat elf zu knappe Monate und einen scheinbar üppigen November. Sauber ist die Jahressicht: Jahreseinkommen durch zwölf.

Der 13. ist kein Bonus, sondern aufgeschobener Lohn – und er wird voll besteuert. Von CHF 6'000 brutto bleiben je nach Situation CHF 3'500 bis 4'500.

Welche Zahlungen Vorrang haben

Miete, Krankenkasse, Strom und Lebensmittel – in dieser Reihenfolge. Bei der Miete droht bei Verzug die Kündigung mit einer Frist von 30 Tagen, bei der Krankenkasse eine Leistungssperre.

Alles andere lässt sich verhandeln. Steueramt, Telekom und Versicherungen gewähren Ratenvereinbarungen fast immer, wenn man sich vor Fristablauf meldet.

Häufige Fragen

An wen kann ich mich bei Geldsorgen wenden?+

An eine anerkannte Schuldenberatung – die Beratung ist in der Schweiz kostenlos und vertraulich.

Welche Rechnung zahle ich zuerst?+

Existenzsichernde: Miete, Krankenkasse, Strom, Lebensmittel. Danach alles, wo Verzug direkte Folgen hat. Bei den übrigen vorher Raten vereinbaren.

Soll ich einen Kredit aufnehmen?+

Nicht ohne Beratung. Ein Kredit zur Bedienung anderer Schulden verlängert meist die Laufzeit bei höheren Gesamtkosten.

Wo bekomme ich Hilfe?+

Bei den anerkannten Budget- und Schuldenberatungsstellen. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich, und je früher desto einfacher lässt sich die Lage lösen.

Was passiert, wenn ich die Krankenkassenprämie nicht zahle?+

Nach Mahnung und Betreibung kann der Kanton eine Leistungssperre veranlassen. Vorher mit der Kasse eine Ratenvereinbarung suchen – das ist fast immer möglich.

Wie viel Zeit kostet ein Budget?+

Zehn Minuten pro Woche für die Erfassung, zwanzig Minuten monatlich für den Abgleich. Der Abgleich ist der Teil, der wirkt.

Wie viele Kategorien sind sinnvoll?+

Zehn bis fünfzehn. Unter CHF 30 monatlich lohnt eine eigene Kategorie nicht, über zwanzig Prozent des Budgets gehört sie aufgeteilt.

Wie plane ich den 13. Monatslohn ein?+

Jahreseinkommen durch zwölf teilen. Er ist aufgeschobener Lohn, kein Bonus – und wird voll besteuert.

Welche Rechnung zahle ich zuerst?+

Miete, Krankenkasse, Strom, Lebensmittel. Bei Mietverzug droht die Kündigung, bei der Krankenkasse eine Leistungssperre.

Der erste Schritt ist der Überblick

Schuldenabbau beginnt nicht mit Disziplin, sondern mit einer vollständigen Liste. Solange unklar ist, wie viel monatlich wirklich frei bleibt, bleibt jeder Plan Vermutung.