Vorsorge

Das 3-Säulen-System der Schweiz einfach erklärt

Kurz beantwortet: Die AHV deckt den Grundbedarf, die Pensionskasse soll zusammen mit ihr rund 60 % des letzten Lohns erreichen, und die Säule 3a schliesst die Lücke zum gewohnten Lebensstandard. Für die meisten Haushalte reichen die ersten beiden Säulen allein nicht aus.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert Januar 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Hauptseite zum Thema: Säule 3a: Frist, Beträge und Steuerwirkung – dort findest du den vollständigen Überblick.

1. Säule – AHV

Die staatliche Vorsorge sichert die Existenz im Alter. Sie ist obligatorisch und wird über Lohnbeiträge finanziert.

2. Säule – Pensionskasse (BVG)

Die berufliche Vorsorge ergänzt die AHV. Arbeitnehmende ab einem Mindestlohn sind obligatorisch versichert.

3. Säule – privat

Freiwillig und steueroptimiert (3a) oder flexibel (3b). Hier hast du den grössten eigenen Hebel.

In BudgetHub planst du die Zeit nach dem Erwerbsleben mit denselben Kategorien wie heute – so wird die Lücke früh sichtbar, solange noch Spielraum besteht.

Wie funktioniert das Schweizer Drei-Säulen-System?

Die Schweizer Altersvorsorge ruht auf drei Säulen mit unterschiedlichen Aufgaben. Die 1. Säule (AHV/IV) ist obligatorisch für alle und sichert das Existenzminimum – sie wird im Umlageverfahren finanziert, die Erwerbstätigen zahlen also die laufenden Renten. Die 2. Säule (BVG, Pensionskasse) ist für Angestellte ab einem Mindestlohn obligatorisch und soll zusammen mit der AHV rund 60 % des letzten Lohns sichern; sie funktioniert im Kapitaldeckungsverfahren – jeder spart für sich. Die 3. Säule ist freiwillig und schliesst die verbleibende Lücke.

Der praktische Kern für die Budgetplanung: Säule 1 und 2 laufen automatisch über den Lohnabzug. Säule 3a ist die einzige, um die du dich selbst kümmern musst – und die einzige mit unmittelbarem Steuervorteil.

Die drei Säulen im Überblick

SäuleZweckFür wenFinanzierung
1. Säule (AHV/IV/EO)Existenzsicherungobligatorisch für alleUmlageverfahren
2. Säule (BVG/PK)Gewohnten Lebensstandard sichernobligatorisch für Angestellte ab MindestlohnKapitaldeckung
3a (gebunden)Vorsorgelücke schliessen, Steuern sparenfreiwillig, mit ErwerbseinkommenEigene Einzahlung
3b (frei)Freies Sparen und Anlegenfreiwillig, alleEigene Einzahlung

Wie viel kann ich 2026 in die Säule 3a einzahlen?

Angestellte mit Pensionskasse können 2026 bis CHF 7'258 einzahlen. Selbstständige ohne Pensionskasse dürfen bis 20 % des Erwerbseinkommens einzahlen, gedeckelt auf einen deutlich höheren Betrag. In beiden Fällen ist die Einzahlung vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar.

Was das konkret bringt: Bei einem Grenzsteuersatz von 25 % spart die Maximaleinzahlung rund CHF 1'810 Steuern pro Jahr. Das ist eine garantierte Sofortrendite, die keine Anlage bietet – unabhängig davon, wie das 3a-Guthaben selbst verzinst oder angelegt wird.

Wann kommt man an das Geld?

Das Guthaben der Säule 3a ist grundsätzlich bis fünf Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter gebunden. Ein vorzeitiger Bezug ist nur in klar definierten Fällen möglich: Kauf von selbstbewohntem Wohneigentum, Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit, endgültiges Verlassen der Schweiz, Einkauf in die Pensionskasse oder Bezug einer vollen IV-Rente.

Genau deshalb gehört der Notgroschen nicht in die Säule 3a. Er muss innert Tagen verfügbar sein – ein 3a-Konto ist das nicht.

Wo die Lücke typischerweise entsteht

Zwischen dem, was AHV und Pensionskasse zusammen ergeben – rund 60 Prozent des letzten Lohns – und dem gewohnten Lebensstandard. Bei einem Lohn von CHF 8'000 sind das rund CHF 3'200 Differenz im Monat.

Verschärft wird sie bei Teilzeit, nach Erwerbspausen und bei Selbstständigen ohne Pensionskasse. Dort kann die Deckung deutlich unter 60 Prozent liegen.

Was du prüfen kannst

Den Vorsorgeausweis der Pensionskasse: Er nennt die voraussichtliche Rente und das Einkaufspotenzial. Und den AHV-Kontoauszug, kostenlos bei der Ausgleichskasse – er zeigt Beitragslücken, die sich nur fünf Jahre rückwirkend schliessen lassen.

Beide zusammen ergeben in zwanzig Minuten ein realistisches Bild. Das ist mehr, als die meisten über ihre Altersvorsorge wissen.

Der Abgleich mit der Realität

Der grösste Unsicherheitsfaktor ist hier nicht der Betrag, sondern die Laufzeit. Eine Berechnung über zwanzig Jahre reagiert auf eine Änderung des Zinssatzes um einen Prozentpunkt stärker als auf eine um zehn Prozent höhere Sparrate – deshalb lohnt es sich, beide Grössen einzeln zu variieren statt eine einzige Zahl zu glauben.

Zweite Fehlerquelle sind Beiträge, die als konstant angenommen werden, es aber nicht sind: Lohnentwicklung, Pensumsänderungen und Erwerbsunterbrüche verschieben das Ergebnis deutlich. Rechne deshalb eine pessimistische Variante mit – sie ist die planungsrelevantere.

AHV-Lücken früh erkennen

Jedes fehlende Beitragsjahr kürzt die Rente um rund 2,3 Prozent, dauerhaft. Nachzahlen lässt sich nur fünf Jahre rückwirkend – wer eine ältere Lücke entdeckt, kann nichts mehr tun.

Der Kontoauszug ist bei der Ausgleichskasse kostenlos erhältlich. Ihn alle fünf Jahre zu prüfen ist kein willkürlicher Rhythmus, sondern genau die Frist, innerhalb derer eine Lücke noch schliessbar ist.

Die grosse Säule 3a für Selbstständige

Wer keiner Pensionskasse angehört, darf 20 Prozent des Erwerbseinkommens einzahlen – bis zu einer deutlich höheren Obergrenze als bei Angestellten.

Das ist bei Selbstständigen oft das wichtigste Vorsorgeinstrument überhaupt, weil die zweite Säule fehlt.

Häufige Fragen

Was sind die drei Säulen?+

1. Säule (AHV/IV, staatlich), 2. Säule (Pensionskasse), 3. Säule (private Vorsorge, z. B. 3a).

Lohnt sich die Säule 3a?+

Ja – Einzahlungen sind steuerlich abziehbar und bauen privates Vorsorgevermögen auf.

Was ist der Unterschied zwischen Säule 3a und 3b?+

Die Säule 3a ist gebunden: Das Geld ist bis kurz vor der Pensionierung blockiert, dafür ist die Einzahlung steuerlich abziehbar und es gilt ein jährliches Maximum. Die Säule 3b ist freies Sparen ohne Bindung und ohne Maximum – aber auch ohne Steuerabzug auf der Einzahlung.

Lohnt sich die Säule 3a bei tiefem Einkommen?+

Der Steuervorteil wächst mit dem Grenzsteuersatz, ist bei tiefem Einkommen also kleiner. Bei sehr tiefem Einkommen kann ein flexibles Sparkonto sinnvoller sein, weil das Geld verfügbar bleibt. Zuerst sollte in jedem Fall der Notgroschen stehen.

Was ist eine Vorsorgelücke?+

Die Differenz zwischen dem letzten Erwerbseinkommen und dem, was AHV und Pensionskasse zusammen als Rente ausschütten. Als Faustregel decken die ersten beiden Säulen rund 60 % des letzten Lohns – wer mehr braucht, muss die Differenz über die 3. Säule oder freies Vermögen abdecken.

Wie gross ist meine Vorsorgelücke?+

Die Differenz zwischen rund 60 Prozent des letzten Lohns und deinem gewohnten Lebensstandard. Vorsorgeausweis und AHV-Kontoauszug geben in zwanzig Minuten ein realistisches Bild.

Warum weicht mein tatsächlicher Wert ab?+

Meist wegen vergessener Rückstellungen für Steuern, Zahnarzt oder Selbstbehalt. Sie fallen jährlich an und fehlen in der Monatsbetrachtung.

Wie oft soll ich nachrechnen?+

Einmal jährlich und nach jeder wesentlichen Veränderung – Umzug, Pensumsänderung, Familienzuwachs oder Lohnerhöhung.

Wie oft soll ich meinen AHV-Kontoauszug prüfen?+

Alle fünf Jahre – das ist genau die Frist, innerhalb derer sich eine entdeckte Beitragslücke noch schliessen lässt.

Wie viel dürfen Selbstständige in die 3a einzahlen?+

20 Prozent des Erwerbseinkommens bis zu einer höheren Obergrenze als bei Angestellten mit Pensionskasse.

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