Warum die Faustregel im mittleren Bereich versagt
Die verbreitete Regel lautet: wenig krank, hohe Franchise. Sie stimmt an den Rändern und führt in der Mitte in die Irre. Der Grund liegt in der Verordnung: Der Prämienrabatt darf höchstens 70 % der übernommenen Mehrkosten betragen (KVV Art. 95), und die Kassen schöpfen diesen Rahmen bei den hohen Stufen weitgehend, bei den mittleren nicht. Zwischen rund CHF 1'200 und 2'000 erwarteten Jahreskosten liegt das Optimum deshalb regelmässig bei einer mittleren Stufe — genau dort, wo die meisten Haushalte sitzen.
Der Rechner schätzt nicht, sondern durchläuft alle sechs Stufen und vergleicht die Gesamtkosten aus Jahresprämie plus Eigenbeteiligung. Das ist die einzige Methode, die auch am Umschlagpunkt stimmt.
Der Modellwechsel ist oft der grössere Hebel
Ein Wechsel vom Standardmodell zu HMO bringt rund 19 % Rabatt, Hausarztmodelle rund 15 %, Telmed rund 13 %. Bei einer Referenzprämie von CHF 520 pro Monat sind das bis zu CHF 1'180 pro Jahr — mehr, als die meisten Franchiseanpassungen einbringen.
Der entscheidende praktische Unterschied: Der Modellwechsel läuft bei der bestehenden Kasse. Kein neuer Antrag, keine Aufnahmeprüfung für die Grundversicherung, keine Kündigung. Wer den Aufwand eines Kassenwechsels scheut, sollte zuerst hier ansetzen.
Die Prämienregion wird unterschätzt
Das BAG lässt pro Kanton bis zu drei Prämienregionen zu. Zwischen Region 1 und Region 3 desselben Kantons liegen häufig mehr als 10 % — bei einem Umzug innerhalb des Kantons kann die Prämie also spürbar sinken oder steigen, ohne dass sich sonst etwas ändert. Wer umzieht, sollte die Prämienregion der neuen Gemeinde vor der Wohnungszusage prüfen, nicht danach.
Was dieser Rechner nicht kann
Er liefert ein Marktmittel, keine Offerte. Zwischen der günstigsten und der teuersten Kasse derselben Region und desselben Modells liegen oft mehr als CHF 1'000 pro Jahr — mehr als jeder hier berechnete Franchise- oder Modelleffekt. Die verbindlichen Prämien deiner Gemeinde stehen auf der amtlichen Vergleichsseite des Bundes (priminfo.admin.ch) – dort ist jede Kasse mit ihrem echten Tarif aufgeführt.
Der Nutzen dieses Rechners liegt davor: Er sagt dir, mit welcher Franchise und welchem Modell du dort überhaupt suchen sollst. Diese Vorentscheidung reduziert eine unübersichtliche Liste auf eine handhabbare.
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Die Fristen der Saison
Kündigung der Grundversicherung: bis 30. November, und zwar muss die Kündigung beim alten Versicherer EINGEGANGEN sein, nicht abgeschickt. Franchise senken: ebenfalls bis 30. November. Franchise erhöhen: bei den meisten Kassen bis 31. Dezember. Diese Asymmetrie wird regelmässig verwechselt — wer sie vertauscht, verliert ein Jahr.
Vom Richtwert zur Budgetposition
Ein Richtwert wird erst nützlich, wenn er zu einer Zeile im Budget wird – mit einem Betrag, der monatlich reserviert ist. Alles andere bleibt eine Information ohne Folge.
Bei unregelmässig anfallenden Posten gehört der Jahresbetrag durch zwölf geteilt und als Rückstellung geführt. Sonst sprengt er den Monat, in dem er auftritt.
