Sparen

Sparen mit wenig Einkommen: was in der Schweiz realistisch ist – und welche Ansprüche du prüfen solltest

Die kurze Antwort: Mit einem kleinen Einkommen ist Sparen möglich, aber nicht mit den üblichen Ratschlägen – 20 % Sparquote sind bei CHF 3'800 netto keine Regel, sondern eine Beleidigung. Realistisch sind drei Dinge: alle Ansprüche prüfen (Prämienverbilligung, Stipendien, Ergänzungsleistungen, Alimentenbevorschussung), die Fixkosten auf das Nötige bringen und einen kleinen, automatischen Betrag sparen – CHF 50 sind ein Notgroschen, wenn sie jeden Monat kommen.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert September 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Zuerst die Ansprüche – sie sind Geld, das dir zusteht

Der grösste Posten bei kleinen Einkommen ist oft nicht die Ausgabe, sondern die nicht bezogene Leistung. Prämienverbilligung: In vielen Kantonen bis in mittlere Einkommen hinein, mit Antrag oder automatisch – die Berechtigung lohnt sich in jedem Fall zu prüfen. Ergänzungsleistungen zu AHV oder IV, wenn Rente und Vermögen nicht reichen. Alimentenbevorschussung der Gemeinde, wenn Unterhaltszahlungen ausbleiben. Stipendien für Ausbildung und Zweitausbildung. Familienzulagen auch bei Teilzeit. Wer diese Liste einmal durchgeht, findet oft mehr als jeder Sparplan.

  • Prämienverbilligung: Kanton, Rechner und Frist auf der IPV-Seite prüfen
  • Ergänzungsleistungen: Ausgleichskasse des Kantons
  • Alimentenbevorschussung: Gemeinde
  • Stipendien: kantonale Stipendienstelle
  • Sozialtarife: Krankenkasse-Prämienmodelle, ÖV, Kita-Subventionen, Serafe-Befreiung bei EL

Fixkosten: das Nötige, nicht das Übliche

Bei kleinem Einkommen wiegt jeder Fixposten doppelt. Krankenkasse: die höchste Franchise, die du im Notfall bezahlen könntest, plus ein Hausarzt- oder Telmed-Modell. Handy: Prepaid oder das kleinste Abo; Internet über den Mobilfunk, wenn der Verbrauch klein ist. Versicherungen: Haftpflicht ja, Hausrat je nach Besitz, alles andere prüfen. Wohnen: der grösste Posten – Untermiete, WG oder ein Umzug in die Nachbargemeinde sind keine Niederlage, sondern die wirksamste Massnahme, die es gibt. Und keine Kleinkredite, keine Ratenkäufe: Ihre Zinsen sind das Gegenteil von Sparen.

Sparen: klein, automatisch, unangetastet

Die Regel für kleine Einkommen lautet nicht «20 %», sondern «etwas, immer». CHF 50 am Zahltag per Dauerauftrag auf ein Konto ohne Karte sind nach einem Jahr CHF 600 – der kleine Notgroschen, der die nächste Zahnarztrechnung von der Kreditkarte fernhält. Das ist keine symbolische Summe: Es ist der Unterschied zwischen einer Rechnung, die man bezahlt, und einer, die Schulden erzeugt. Steigt das Einkommen, steigt der Betrag – nicht die Ausgaben.

Was nicht funktioniert: Verzicht bei den Dingen, die den Alltag lebenswert machen. Ein kleines Wunschbudget – auch wenn es CHF 30 sind – gehört in jedes Budget, weil ein Budget ohne Erlaubnis nach vier Wochen aufgegeben wird.

Das Budget als Werkzeug, nicht als Urteil

Bei kleinem Einkommen zeigt ein Budget etwas, das kein Ratgeber ersetzen kann: ob der Monat reicht – und wenn nicht, wo genau die Lücke liegt. Eine Lücke mit Betrag und Datum lässt sich angehen (Ratenvereinbarung, Beratung, Anspruch prüfen); ein diffuses «Es reicht nie» nicht. BudgetHub ist dafür im Free-Plan gebaut, dauerhaft kostenlos, ohne Bankverbindung, mit dem Prämienverbilligungs-Rechner für alle Kantone. Und wenn die Zahlen zeigen, dass es nicht reicht: Die Budget- und Schuldenberatung des Kantons ist kostenlos – Fachstellen findest du auf unserer Übersicht.

In BudgetHub setzt du das direkt in ein lebendiges Budget um – kostenlos.

Die Rechnung mit echten Zahlen

Beispiel: CHF 3'800 netto, Einzelperson, mittelgrosse Stadt. Miete Studio CHF 1'250, Krankenkasse nach Prämienverbilligung CHF 220, Steuern CHF 200, Versicherungen und Serafe CHF 60, Handy und Internet CHF 45, ÖV CHF 80, Lebensmittel CHF 400, Kleidung und Gesundheit CHF 100, Wunschbudget CHF 100, Sparen CHF 100 – Summe CHF 2'555, Reserve CHF 1'245 für Unvorhergesehenes, Rückstellungen und die Posten, die hier fehlen. Die Rechnung zeigt zweierlei: Mit geprüften Ansprüchen und schlanken Fixkosten bleibt auch bei kleinem Einkommen ein Spielraum – und der Spielraum ist ohne Prämienverbilligung um mehrere hundert Franken kleiner. Wer diese Rechnung für sich aufstellt, weiss innert einer Stunde, ob der Monat trägt.

Häufige Fragen

Wie viel sollte ich mit wenig Einkommen sparen?+

So viel, dass es jeden Monat kommt – CHF 50 per Dauerauftrag sind besser als CHF 300 einmal. Ziel ist zuerst ein kleiner Notgroschen von CHF 1'000–2'000, damit Rechnungen keine Schulden erzeugen.

Welche Unterstützung gibt es in der Schweiz bei kleinem Einkommen?+

Prämienverbilligung, Ergänzungsleistungen zu AHV/IV, Alimentenbevorschussung, Stipendien, Familienzulagen sowie Sozialtarife bei Kita, ÖV und Serafe. Vieles muss beantragt werden – die Berechtigung lohnt sich immer zu prüfen.

Wo bekomme ich kostenlose Budgetberatung?+

Bei den Fachstellen der Budgetberatung Schweiz und den Sozialdiensten der Kantone und Gemeinden. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.

Ist eine Budget-App bei wenig Einkommen sinnvoll?+

Ja, wenn sie kostenlos ist und ohne Bankverbindung funktioniert. Sie zeigt, ob der Monat reicht und wo die Lücke liegt – das ist die Information, mit der sich Ansprüche und Beratung gezielt nutzen lassen.

Wie hoch ist die Prämienverbilligung bei kleinem Einkommen?+

Je nach Kanton unterschiedlich – von einem Teilbetrag bis zur nahezu vollen Prämie bei sehr tiefen Einkommen. Der Rechner auf den Prämienverbilligungs-Seiten zeigt Richtwerte pro Kanton; massgebend ist die Verfügung des Kantons.

Mach aus dem Ziel einen Betrag pro Monat

Ein Sparziel ohne Monatsbetrag bleibt ein Vorsatz. Mit Zieldatum und automatischer Verfolgung wird daraus eine Zahl, die du entweder triffst oder nicht.