Einstieg

Zwischenjahr finanzieren: Wie viel du brauchst und was dabei weiterläuft

Kurz beantwortet: Ein Zwischenjahr scheitert selten am fehlenden Plan, sondern an den Fixkosten, die weiterlaufen. Krankenkassenprämie und AHV-Mindestbeitrag fallen auch ohne Einkommen an – wer den Bedarf vorher rechnet, kommt ohne Schulden durch.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert August 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Der Bedarf in drei Zahlen

Rechne nicht mit einem Gesamtbetrag, sondern mit drei getrennten Blöcken. Das macht die Rechnung ehrlicher und die Lücke sichtbarer.

  • Fixkosten pro Monat, die weiterlaufen: Miete, Krankenkasse, Handy, Versicherungen.
  • Variable Kosten pro Monat: Essen, Mobilität, Freizeit.
  • Einmalige Kosten des Vorhabens: Flüge, Ausrüstung, Kurse, Visa.

Ein Rechenbeispiel

Fixkosten von CHF 1'000 im Monat (Zimmer, Krankenkasse, Handy) plus CHF 600 variable Kosten ergeben CHF 1'600 monatlich. Über sechs Monate sind das CHF 9'600, dazu einmalig CHF 2'500 für das Vorhaben selbst – also rund CHF 12'100.

Diese Zahl schreckt zuerst ab und ist trotzdem nützlich: Sie macht die Entscheidung konkret. Vier Monate statt sechs senken den Bedarf auf rund CHF 8'900.

Was auch ohne Einkommen weiterläuft

Die Krankenversicherung bleibt obligatorisch, solange du Wohnsitz in der Schweiz hast – unabhängig davon, ob du erwerbstätig bist oder wo du dich aufhältst. Wer den Wohnsitz abmeldet und ins Ausland zieht, ist ein anderer Fall und sollte das vorher klären.

Und die AHV: Nichterwerbstätige zahlen einen Mindestbeitrag. Wer das versäumt, hat eine Beitragslücke, die die spätere Rente kürzt und sich nur fünf Jahre rückwirkend schliessen lässt. Der Betrag ist überschaubar, die Folge des Vergessens nicht.

Wo sich Geld holen lässt

Bevor ein Kredit überhaupt in Betracht kommt:

  • Prämienverbilligung neu beantragen – ohne Einkommen besteht sehr häufig ein Anspruch.
  • Vorher arbeiten und ansparen statt nachher abzahlen: Drei Monate Vollzeit finanzieren oft ein halbes Zwischenjahr.
  • Saisonarbeit während des Jahres einplanen statt durchgehend frei zu nehmen.
  • Abos und Versicherungen für die Dauer sistieren oder kündigen.

Der Punkt zu Krediten

Ein Konsumkredit für ein Zwischenjahr ist fast immer ein schlechtes Geschäft: Die Zinsen laufen weiter, während du kein Einkommen hast, und die Rückzahlung beginnt in einer Phase, in der du gerade erst wieder anfängst zu verdienen.

Wenn das Geld nicht reicht, ist ein kürzeres Zwischenjahr die bessere Lösung als ein finanziertes. Das ist keine Absage an das Vorhaben, sondern die Variante, die dich nicht zwei Jahre lang begleitet.

Wenn sich das gerade nach deiner Situation anhört: Die Schweizer Budget- und Schuldenberatungsstellen sind kostenlos, vertraulich und beraten auch Minderjährige. Eine Übersicht findest du unter Fachstellen. Früh hinzugehen ist keine Kapitulation, sondern der Schritt, der die Sache klein hält.

In BudgetHub siehst du auf einen Blick, wohin dein Geld tatsächlich geht – ohne Bankverknüpfung, ohne dass jemand mitliest.

Was mit 18 finanziell beginnt

Eigene Steuerpflicht mit eigener Steuererklärung, freie Wahl von Krankenkasse, Modell und Franchise, und die Möglichkeit, ab dem ersten AHV-pflichtigen Lohn in die Säule 3a einzuzahlen.

Nichts davon passiert automatisch. Wer die Steuererklärung nicht einreicht, wird nach Ermessen eingeschätzt – regelmässig zu hoch und mit Mahngebühren obendrauf.

Das erste eigene Konto

Mit 18 endet bei den meisten Banken das kostenlose Jugendkonto – oft schleichend, mit Gebühren von CHF 3 bis 10 monatlich. Für Studierende und Lernende bleibt es vielerorts vergünstigt, aber nur mit eingereichter Ausbildungsbestätigung.

Beim Vergleich zählt nicht der Zins, sondern Kontoführungsgebühr, Kartengebühren, Bargeldbezug an Fremdautomaten und Fremdwährungszuschläge.

Der Start ins Berufsleben

Vom Bruttolohn gehen rund 13 bis 15 Prozent an Sozialabgaben weg. Die Steuern kommen separat und später – im zweiten Berufsjahr fällt die Rechnung regelmässig doppelt so hoch aus wie im ersten.

Wer vom ersten Lohn an ein Zwölftel der erwarteten Jahressteuer zurücklegt, umgeht das vollständig.

Häufige Fragen

Muss ich im Zwischenjahr AHV-Beiträge zahlen?+

Ja, als Nichterwerbstätige gilt ein Mindestbeitrag. Wer ihn versäumt, hat eine Beitragslücke, die die spätere Rente kürzt und nur fünf Jahre rückwirkend geschlossen werden kann.

Läuft die Krankenkasse während eines Zwischenjahrs weiter?+

Solange du Wohnsitz in der Schweiz hast, ja – die Grundversicherung ist obligatorisch, unabhängig von Erwerbstätigkeit und Aufenthaltsort.

Wie viel muss ich für ein Zwischenjahr ansparen?+

Die Summe aus Fixkosten und variablen Kosten mal die Anzahl Monate, plus die einmaligen Kosten des Vorhabens. Getrennt gerechnet wird die Lücke sichtbar, gesamthaft geschätzt meist unterschätzt.

Ist ein Kredit für ein Zwischenjahr sinnvoll?+

In aller Regel nicht. Zinsen laufen ohne Einkommen weiter, und die Rückzahlung fällt in die Zeit des Wiedereinstiegs. Ein kürzeres, selbst finanziertes Zwischenjahr ist die bessere Variante.

Was ändert sich finanziell mit 18?+

Eigene Steuerpflicht, freie Wahl der Krankenkasse und die Möglichkeit zur Säule 3a. Nichts davon passiert automatisch.

Wird mein Jugendkonto mit 18 kostenpflichtig?+

Bei den meisten Banken ja. Für Studierende und Lernende bleibt es oft vergünstigt – dafür braucht es eine eingereichte Ausbildungsbestätigung.

Warum ist die Steuerrechnung im zweiten Berufsjahr höher?+

Weil sie auf dem Vorjahreseinkommen beruht. Im ersten Jahr war das noch tief, im zweiten kommt sie auf Basis des vollen Lohns.

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