Lebenssituation

Budget in der Lehre

Kurz beantwortet: Der Lehrlingslohn liegt im ersten Jahr je nach Branche bei CHF 600 bis 900 im Monat und steigt bis zum Abschluss auf CHF 1'100 bis 1'600. Wer zu Hause wohnt, hat davon einen grossen Teil zur freien Verfügung – und genau dort entstehen die ersten Gewohnheiten.

Von Leutrim MiftarajGründer von BudgetHub, MSc Innovation Management (FFHS)Aktualisiert August 2026Autor von «Identity Over Discipline»Methodik & Datenquellen

Vom Lehrlingslohn leben lernen

Auch mit kleinem Lohn lohnt sich ein Budget – es schafft frühe gute Gewohnheiten.

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Mit dem ersten Lehrlingslohn umgehen

Der Lehrlingslohn ist klein, aber ideal, um Budgetieren zu lernen. Eine einfache Aufteilung: einen Teil zuhause abgeben, einen festen Betrag sparen, den Rest bewusst für Freizeit – so entsteht früh ein gesundes Verhältnis zu Geld.

Was schon jetzt zählt

Ab dem 1. Januar nach dem 17. Geburtstag fallen AHV-Beiträge an. Sie sind klein, aber sie zählen als Beitragsjahre – und Beitragslücken lassen sich später nur fünf Jahre rückwirkend schliessen.

Berufsauslagen wie der Arbeitsweg und auswärtige Verpflegung sind steuerlich abziehbar und summieren sich schnell auf mehrere tausend Franken im Jahr. Bei einem Lehrlingslohn wirkt dieser Abzug prozentual besonders stark.

Ansprüche, die einen Antrag brauchen

Prämienverbilligung, Alimentenbevorschussung, kommunale Betreuungssubventionen und Ergänzungsleistungen werden nicht von Amtes wegen zugesprochen. Sie setzen alle eine aktive Anmeldung voraus.

Nach jeder Veränderung der Lebenssituation lohnt eine Neuprüfung: Trennung, Geburt, Pensumsreduktion, Umzug in einen anderen Kanton. Die Bemessungsgrundlage ändert sich dabei grundlegend.

Was sich bei jeder Veränderung neu stellt

Prämienverbilligung, Steuertarif und teilweise die Prämienregion – alle drei hängen an der Lebenssituation und ändern sich mit ihr. Nach Trennung, Geburt, Pensumsänderung oder Umzug lohnt eine Neuprüfung.

Keine dieser Änderungen erfolgt automatisch. Wer die Adressänderung nicht meldet, wird weiter nach der alten Prämienregion abgerechnet – bei einem Wechsel in eine günstigere Region zahlt man dann unnötig zu viel.

Der Steuertarif ändert sich mit

Heirat, Trennung, Geburt und der Auszug erwachsener Kinder verändern Tarif und Abzüge. Bei getrennt lebenden Eltern richtet sich der Kinderabzug nach Sorge, Wohnsitz und Unterhaltsleistung.

Die Änderung erfolgt nicht automatisch – sie gehört in die nächste Steuererklärung, und bei Quellenbesteuerten in eine Tarifkorrektur.

Vom Lehrlingslohn zum ersten vollen Gehalt

Nach der Lehre vervielfacht sich das Einkommen oft. Genau in diesem Moment entsteht die grösste Chance und das grösste Risiko: Wer den Lebensstandard sofort mitwachsen lässt, hat den Sprung verkonsumiert.

Wirksam ist, einen Teil der Differenz sofort in einen Dauerauftrag zu legen – bevor er zum neuen Normal wird. Was man nie hatte, vermisst man nicht.

Ab wann Abzüge kommen – und welche

Auf dem ersten Lehrlingslohn stehen oft noch keine oder kaum Abzüge. Das ändert sich am 1. Januar nach dem 17. Geburtstag: Ab dann sind AHV, IV und EO obligatorisch, dazu die Arbeitslosenversicherung. Der Nettolohn sinkt spürbar, ohne dass sich am Bruttolohn etwas ändert.

Die Pensionskasse kommt später oder gar nicht: Sie wird erst ab einem Jahreslohn von 22’680 obligatorisch, und die meisten Lehrlingslöhne liegen darunter. Wer im letzten Lehrjahr darüber kommt, sieht plötzlich einen weiteren Abzug auf der Abrechnung.

Für die Planung heisst das: Der Nettolohn des ersten Lehrjahrs ist keine verlässliche Grundlage für das dritte. Wer sich daran gewöhnt, erlebt zwei unangenehme Januarmonate.

Die erste Steuererklärung und was sich abziehen lässt

Ab dem 18. Geburtstag wird man selbstständig steuerpflichtig und erhält eine eigene Steuererklärung – auch bei kleinem Einkommen. Sie muss eingereicht werden, selbst wenn keine Steuern anfallen; wer sie ignoriert, wird nach Ermessen veranlagt, in der Regel zu hoch.

Abziehbar sind Berufsauslagen, die viele nicht kennen: Fahrkosten zum Arbeits- und Schulort, auswärtige Verpflegung, Berufskleidung und Schulmaterial, das der Betrieb nicht stellt. Bei einem Lehrlingslohn führt das häufig dazu, dass gar keine Steuer geschuldet ist – aber nur, wenn die Abzüge auch deklariert werden.

Ein Detail mit Spätfolgen: Wer in diesen Jahren sauber einreicht, hat eine lückenlose Veranlagungshistorie. Die wird gebraucht, sobald es um Prämienverbilligung, Stipendien oder später eine erste Hypothek geht.

Häufige Fragen

Wie viel vom Lehrlingslohn sparen?+

Auch kleine Beträge zählen – z. B. CHF 50–100 pro Monat als feste Gewohnheit.

Wie hoch ist der Lehrlingslohn in der Schweiz?+

Im ersten Lehrjahr je nach Branche CHF 600 bis 900 pro Monat, im letzten CHF 1'100 bis 1'600. Die Ansätze legen die Branchenverbände fest.

Muss ich in der Lehre Steuern zahlen?+

Steuerpflichtig wirst du mit der Volljährigkeit. Ob Steuern anfallen, hängt vom Einkommen ab – die Erklärung ist aber einzureichen.

Soll ich in der Lehre schon sparen?+

Ein kleiner fester Betrag pro Monat ist wertvoller als ein grosser gelegentlicher – nicht wegen des Betrags, sondern weil die Gewohnheit entsteht.

Wie viel sollte ich als Lernende abgeben?+

Wenn du zu Hause wohnst, ist ein Kostgeld üblich – häufig ein Viertel bis ein Drittel des Lohns. Es ersetzt keine eigene Sparrate, sondern kommt dazu.

Welche Ansprüche werden am häufigsten übersehen?+

Prämienverbilligung, Alimentenbevorschussung und kommunale Betreuungssubventionen. Alle setzen einen eigenen Antrag voraus.

Was muss ich nach einer Veränderung neu prüfen?+

Prämienverbilligung, Steuertarif und Prämienregion. Keine dieser Anpassungen erfolgt automatisch – sie brauchen eine Meldung.

Ändert sich mein Steuertarif bei einer Trennung?+

Ja, ab dem Trennungsjahr erfolgt eine getrennte Veranlagung, oft mit anderem Tarif und anderen Abzügen.

Ab wann werden mir Sozialabgaben vom Lehrlingslohn abgezogen?+

Ab dem 1. Januar nach dem 17. Geburtstag für AHV, IV, EO und ALV. Die Pensionskasse folgt erst ab einem Jahreslohn von 22’680 – die meisten Lehrlingslöhne liegen darunter, im letzten Lehrjahr manchmal darüber.

Muss ich als Lernende eine Steuererklärung ausfüllen?+

Ab 18 ja, auch bei tiefem Einkommen. Ohne Einreichung wird nach Ermessen veranlagt, was meist teurer ausfällt. Mit Berufsauslagen – Fahrkosten, auswärtige Verpflegung, Berufskleidung – fällt bei einem Lehrlingslohn oft keine Steuer an, sofern sie deklariert werden.

Übt es gemeinsam

Ein eigenes Budget zu führen lernt man nicht durch Erklären, sondern durch Machen – am besten mit dem ersten eigenen Geld und jemandem, der mitschaut.