- Du findest auf dem Vorsorgeausweis die fünf entscheidenden Zahlen.
- Du unterscheidest versicherten Lohn vom Bruttolohn.
- Du liest dein Einkaufspotenzial ab und ordnest es ein.
Vorwissen: Grundverständnis des Drei-Säulen-Systems
Fünf Zahlen, der Rest ist Beiwerk
Der Vorsorgeausweis kommt jährlich und wird meist ungelesen abgelegt. Dabei stehen darauf die Zahlen, die über deinen Ruhestand entscheiden – und sie zu finden dauert zehn Minuten.
Entscheidend sind fünf Angaben: das aktuelle Altersguthaben, der versicherte Lohn, die voraussichtliche Altersrente, das Einkaufspotenzial und die Leistungen bei Invalidität und Tod. Alles andere auf dem Dokument ist Kontext.
Versicherter Lohn ist nicht Bruttolohn
Die häufigste Fehlannahme. Die Pensionskasse versichert nicht deinen ganzen Lohn, sondern nur den Teil über dem Koordinationsabzug – und dieser Abzug ist ein fixer Betrag, kein Prozentsatz.
Bei einem Vollzeitlohn fällt das kaum auf. Bei Teilzeit wird es entscheidend: Derselbe fixe Abzug frisst bei einem 50-Prozent-Pensum einen doppelt so grossen Anteil des Lohns weg wie bei 100 Prozent.
| Pensum 100 % – Jahreslohn | CHF 84’000 |
| − Koordinationsabzug (fix) | − CHF 26’460 |
| = Versicherter Lohn | CHF 57’540 (69 %) |
| Pensum 50 % – Jahreslohn | CHF 42’000 |
| − Koordinationsabzug (fix) | − CHF 26’460 |
Illustratives Beispiel mit einem typischen Koordinationsabzug. Halbes Pensum, aber nur gut ein Viertel des versicherten Lohns – das ist der Kern der Teilzeitfalle.
Das Einkaufspotenzial
Es zeigt, wie viel du freiwillig in die Pensionskasse einzahlen könntest – vollständig abziehbar vom steuerbaren Einkommen. Ein Potenzial entsteht nach Lohnsprüngen, Erwerbspausen, einer Scheidung oder einem Zuzug aus dem Ausland.
Es ist kein Anspruch und keine Empfehlung, sondern eine Möglichkeit. Ob sie sinnvoll ist, hängt vom Grenzsteuersatz, vom Anlagehorizont und vom Zustand der Kasse ab.
Die Leistungen, die niemand anschaut
Invaliden- und Hinterlassenenleistungen stehen ebenfalls auf dem Ausweis. Für junge Familien sind sie oft wichtiger als die Altersrente – und werden fast nie geprüft, bis sie gebraucht werden.
Die Frage lautet: Was bekäme deine Familie, wenn dir morgen etwas zustösst? Wenn die Antwort deutlich unter dem liegt, was sie zum Leben braucht, ist das eine Lücke, die eine Risikoversicherung schliessen kann – und die keine Altersvorsorge der Welt abdeckt.
Der Deckungsgrad der Kasse
Er steht meist im Kleingedruckten oder im Geschäftsbericht und beschreibt, ob die Kasse ihre Verpflichtungen decken kann. Unter 100 Prozent besteht eine Unterdeckung, die im Extremfall zu Sanierungsmassnahmen führen kann – etwa tieferer Verzinsung.
Du kannst deine Kasse nicht wählen, sie hängt am Arbeitgeber. Aber die Zahl zu kennen hilft, eine Nachricht über Sanierungsmassnahmen einzuordnen, statt sie als Überraschung zu erleben.
- 1Fünf Zahlen zählen: Altersguthaben, versicherter Lohn, voraussichtliche Rente, Einkaufspotenzial, Risikoleistungen.
- 2Der versicherte Lohn ist deutlich tiefer als der Bruttolohn – wegen des fixen Koordinationsabzugs.
- 3Bei Teilzeit wirkt dieser Abzug überproportional: halbes Pensum, oft nur ein Viertel des versicherten Lohns.
- 4Invaliden- und Hinterlassenenleistungen sind für junge Familien oft wichtiger als die Altersrente.
- Versicherter Lohn
- Der Lohnteil über dem Koordinationsabzug, auf dem die Pensionskassenbeiträge berechnet werden.
- Deckungsgrad
- Verhältnis von Vermögen zu Verpflichtungen einer Pensionskasse. Unter 100 % besteht Unterdeckung.
Setze dieses Wissen direkt mit deinen echten Zahlen um.
Allgemeine Finanzbildung · keine individuelle Beratung · Stand: 2026-08-15
