Vorbereitung: getrennt, nicht gemeinsam
Beide notieren VORHER für sich: Was möchte ich dieses Jahr finanziell erreichen? Was stört mich am aktuellen Arrangement? Wer ohne eigene Vorbereitung kommt, argumentiert reaktiv – und reaktive Geldgespräche kippen schnell ins Persönliche.
Die vier Punkte, in dieser Reihenfolge
Erstens gemeinsame Fixkosten auflisten und um 10 % puffern. Zweitens den Beitragsschlüssel festlegen – proportional zum Einkommen ist in der Praxis fairer als 50/50, weil so das Opfer gleich gross ist, nicht der Franken-Betrag. Drittens ein bis zwei gemeinsame Sparziele mit Namen und Frist. Viertens persönliche Freibeträge, über die niemand Rechenschaft schuldet.
Danach: der kurze Monatstermin
Der Jahres-Kassensturz setzt den Rahmen, die monatlichen 30 Minuten halten ihn lebendig. Ein gemeinsamer Hub sorgt dafür, dass beide dieselben Zahlen sehen – nicht einer die Kontrolle hat und der andere fragt.
In BudgetHub führt ihr einen gemeinsamen Bereich für Fixkosten und behaltet persönliche Ausgaben für euch – Transparenz ohne Rechtfertigungsdruck.
Der häufigste Irrtum: «Einer macht die Finanzen, das reicht»
Arbeitsteilung ist sinnvoll, vollständige Unwissenheit nicht. Wer keinen Überblick hat, kann bei Krankheit, Trennung oder Todesfall nicht handeln – und ist im Alltag von Entscheidungen abhängig, an denen er nicht beteiligt war.
Es braucht keine geteilte Verwaltung, nur geteiltes Wissen: einmal jährlich eine Stunde, ein Blatt mit allen Konten, Versicherungen, Vorsorgeguthaben und Verpflichtungen. Wer verwaltet, bleibt derselbe. Wer Bescheid weiss, sind beide.
Der Beitragsschlüssel: drei Modelle im Vergleich
Hälftig: Einfach und fair bei ähnlichen Einkommen. Bei deutlichen Unterschieden entsteht jedoch ein ungleiches Opfer – wer CHF 4'000 verdient, gibt bei CHF 1'500 gemeinsamen Kosten die Hälfte seines Spielraums auf, der andere mit CHF 8'000 nur einen Viertel.
Proportional zum Einkommen: Bei 60/40-Einkommen 60/40-Beiträge. Das gleicht das Opfer an und ist in der Praxis das stabilste Modell – gerade weil es Diskussionen über einzelne Ausgaben überflüssig macht.
Gleicher Restbetrag: Beide behalten nach allen gemeinsamen Kosten denselben persönlichen Betrag. Am solidarischsten, verlangt aber vollständige Offenlegung beider Einkommen – für manche Paare der richtige Weg, für andere zu weit.
Was beim Kassensturz oft vergessen geht
Unbezahlte Arbeit: Wer mehr Betreuung, Haushalt und Organisation übernimmt, trägt real bei, ohne dass es im Kontoauszug erscheint. Bei reduziertem Pensum entsteht zusätzlich eine Vorsorgelücke – geringere AHV-Beiträge und weniger Pensionskassenkapital. Ein Ausgleich über eine Säule-3a-Einzahlung für den Teilzeit arbeitenden Partner ist eine der wirksamsten und am häufigsten übersehenen Massnahmen.
Versicherungs- und Vorsorgebegünstigungen: Nach Heirat, Geburt oder Trennung stimmen alte Begünstigungsklauseln oft nicht mehr. Der jährliche Kassensturz ist der natürliche Moment, das zu prüfen.
Und die gemeinsame Reserve: Viele Paare haben zwei persönliche Notgroschen, aber keinen gemeinsamen für Haushaltsschäden, Umzug oder Krankheitsphasen. Drei bis sechs Monate gemeinsame Fixkosten sind der Richtwert.
Ein Blatt, das im Ernstfall alles entscheidet
Zum Abschluss des Jahrestermins gehört eine einseitige Übersicht: alle Konten, Versicherungen, Vorsorgeguthaben, laufenden Verpflichtungen und wo die Zugangsdaten hinterlegt sind. Beide kennen sie, beide finden sie.
Für Konkubinatspaare ist das besonders wichtig, weil ohne Trauschein weder Erbansprüche noch Hinterlassenenleistungen automatisch bestehen. Ein Testament, angepasste Begünstigungsklauseln und ein Vorsorgeauftrag schliessen diese Lücke – und der Kassensturz ist der Moment, in dem man daran denkt.
