Die drei Bausteine deiner Kosten
Die Kosten deiner Krankenkasse bestehen aus drei Teilen, die zusammenspielen: der Prämie, der Franchise und dem Selbstbehalt. Wer diese drei versteht, kann seine Krankenkasse gezielt optimieren – und das gehört zu den lohnendsten Fixkosten-Hebeln überhaupt.
Die Prämie zahlst du monatlich, unabhängig davon, ob du zum Arzt gehst. Die Franchise ist der Betrag, den du pro Jahr selbst trägst, bevor die Kasse zahlt. Der Selbstbehalt ist dein prozentualer Anteil an den Kosten oberhalb der Franchise. Diese drei zusammen ergeben deine tatsächlichen Gesundheitskosten. Der Clou: Du kannst zwischen ihnen tauschen – eine höhere Franchise senkt die Prämie und umgekehrt. Genau dieses Wechselspiel ist dein Optimierungshebel.
Die Prämie: der monatliche Fixbetrag
Die Prämie ist der feste Monatsbetrag, den du an deine Krankenkasse zahlst – unabhängig davon, ob du Leistungen beziehst. Sie ist einer der grössten Fixkostenposten in fast jedem Schweizer Haushalt und steigt fast jedes Jahr.
Entscheidend ist: Die Leistungen der Grundversicherung sind gesetzlich festgelegt und bei jeder Kasse identisch. Eine teurere Kasse bietet dir in der Grundversicherung also nicht mehr – du zahlst schlicht mehr für dasselbe. Die Prämien unterscheiden sich dennoch stark, je nach Kasse, Wohnkanton und Prämienregion. Genau deshalb lohnt sich der jährliche Prämienvergleich: Ein Wechsel zu einer günstigeren Kasse bringt bei identischer Leistung oft mehrere hundert Franken Ersparnis pro Jahr – einer der einfachsten Spar-Hebel überhaupt.
Die Franchise: dein jährlicher Selbstanteil
Die Franchise ist der Betrag, den du jedes Kalenderjahr zuerst selbst bezahlst, bevor sich die Krankenkasse an den Kosten beteiligt. Für Erwachsene kannst du 2026 zwischen sechs Stufen wählen: CHF 300, 500, 1’000, 1’500, 2’000 und 2’500. Für Kinder liegt sie zwischen CHF 0 und 600.
Die Logik dahinter ist ein Tauschgeschäft: Je höher du die Franchise wählst, desto tiefer wird deine monatliche Prämie. Du übernimmst mehr Eigenrisiko und wirst dafür mit einer tieferen Prämie belohnt. Wählst du die tiefste Franchise, zahlst du eine hohe Prämie, hast aber im Krankheitsfall früh Anspruch auf Leistungen. Die richtige Wahl hängt davon ab, wie viele Gesundheitskosten du erwartest – dazu gleich mehr.
Der Selbstbehalt: 10 Prozent danach
Ist die Franchise im Lauf des Jahres aufgebraucht, übernimmt die Kasse die weiteren Kosten – aber nicht vollständig. Du trägst zusätzlich einen Selbstbehalt von 10 Prozent der Kosten oberhalb der Franchise.
Damit dieser nicht ins Unendliche steigt, gibt es eine Obergrenze: Der Selbstbehalt beträgt für Erwachsene maximal CHF 700 pro Jahr, für Kinder höchstens CHF 350. Daraus folgt eine wichtige Zahl: Bei der höchsten Franchise von CHF 2’500 betragen deine maximalen Eigenkosten im schlimmsten Krankheitsjahr CHF 2’500 plus CHF 700, also CHF 3’200 (allfällige Spitalbeiträge nicht eingerechnet). Mehr als diese Summe an Franchise und Selbstbehalt kannst du in einem Jahr nicht zahlen – das begrenzt dein Risiko nach oben.
Franchise und Prämie im Verhältnis
Das Tauschgeschäft zwischen Franchise und Prämie lässt sich illustrativ darstellen – höhere Franchise, tiefere Prämie:
Der Prämienrabatt steigt nicht linear – meist lohnt sich nur die tiefste oder die höchste Franchise.
Hohe oder tiefe Franchise?
Die zentrale Frage lautet: Welche Franchise spart dir am meisten? Die Antwort hängt allein von deinen erwarteten Gesundheitskosten ab. Als Faustregel gilt: Liegen deine jährlichen Kosten voraussichtlich unter rund CHF 2’000, ist die höchste Franchise (CHF 2’500) meist am günstigsten – die Prämienersparnis übersteigt das Kostenrisiko.
Rechnest du dagegen mit hohen, regelmässigen Kosten – etwa bei einer chronischen Erkrankung oder geplanten Behandlungen – ist die tiefste Franchise (CHF 300) insgesamt günstiger. Die mittleren Stufen lohnen sich selten, weil der Prämienrabatt nicht linear mit der Franchise steigt. Vereinfacht: gesund und selten beim Arzt? Hohe Franchise. Häufige oder absehbar hohe Kosten? Tiefe Franchise. Dazwischen liegt selten das Optimum.
Die Modelle: Hausarzt, HMO, Telmed
Neben der Franchise gibt es einen zweiten grossen Spar-Hebel: das Versicherungsmodell. Statt des freien Standardmodells kannst du ein alternatives Modell wählen, das die Prämie zusätzlich senkt.
Beim Hausarztmodell wählst du zuerst immer deinen Hausarzt, beim HMO-Modell ein bestimmtes Gesundheitszentrum, beim Telmed-Modell rufst du vor einem Arztbesuch eine medizinische Beratung an. Im Gegenzug für diese leichte Einschränkung der freien Arztwahl gewähren die Kassen spürbare Prämienrabatte – oft 10 bis 20 Prozent. Für die meisten Menschen, die ohnehin denselben Hausarzt aufsuchen, ist das ein einfacher Weg, ohne echten Nachteil Geld zu sparen. Die Leistungen der Grundversicherung bleiben dabei vollständig erhalten.
Die wichtigen Wechselfristen
Damit du diese Hebel auch nutzen kannst, musst du die Fristen kennen. Die Franchise lässt sich jeweils auf den 1. Januar ändern. Eine Erhöhung der Franchise kannst du in der Regel bis zum 31. Dezember beantragen; eine Senkung musst du bereits bis zum 30. November anmelden.
Die Grundversicherung selbst kannst du ordentlich jeweils auf Ende Jahr kündigen, wobei die Kündigung Ende November bei der Kasse sein muss. Im Herbst, wenn die neuen Prämien bekanntgegeben werden, ist also der richtige Zeitpunkt, um zu vergleichen und zu handeln. Wer diese Wochen verpasst, zahlt ein weiteres Jahr zu viel. Trag dir die Fristen am besten als jährliche Erinnerung ein.
Setze dieses Wissen direkt mit deinen echten Zahlen um.
Allgemeine Finanzbildung · keine individuelle Beratung · Stand: 2026-06-02
